Coronavirus In Europa wächst die Furcht vor neuer Infektionswelle

„Vorsorglich“ in Quarantäne: Wirtschaftsminister Peter Altmaier.
»Vorsorglich« in Quarantäne: Wirtschaftsminister Peter Altmaier.

Die Bundesregierung hat elf weitere Regionen zu Risikogebieten erklärt. In mehreren europäischen Ländern wird das öffentliche Leben wieder eingeschränkt. Nach Bundesaußenminister Heiko Maas hat sich auch Wirtschaftsminister Peter Altmaier in Quarantäne begeben.

Weil die Infektionszahlen immer weiter steigen, hat die Bundesregierung am Mittwochabend Regionen in elf EU-Ländern zu Risikogebieten erklärt. Darunter sind Regionen in Tschechien, Österreich und den Niederlanden sowie Kopenhagen, Dublin und Lissabon. In Österreich ist nach der Hauptstadt Wien nun auch die Urlaubsregion Vorarlberg betroffen. Insgesamt sind inzwischen 14 der 27 EU-Staaten von Reisewarnungen betroffen. In Deutschland müssen sich Rückkehrer aus Risikogebieten auf das Coronavirus testen lassen, sofern sie kein aktuelles negatives Testergebnis vorweisen können.

Derweil werden in einigen deutschen Städten und Regionen wieder verstärkte Einschränkungen erlassen. In München traten am Donnerstag strenge Auflagen für das öffentliche Leben in Kraft. In Teilen der Innenstadt herrscht nun Maskenpflicht. Für Privatfeiern und Alkoholkonsum gelten strikte Regeln. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller kündigte erneute Einschränkungen auch in der Hauptstadt an.

Österreich verbietet Après-Ski-Partys

Viele europäische Länder verschärfen die Restriktionen. In England müssen alle Restaurants und Pubs um 22 Uhr schließen. Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz kündigte eine Skisaison ohne Après-Ski-Partys an. In Frankreich wurde im besonders betroffenen Marseille die Schließung aller Gastronomiebetriebe angeordnet. In Paris und weiteren französischen Großstädten soll eine Sperrstunde ab 22 Uhr gelten.

Zugleich wuchs in Frankreich auch der Widerstand gegen die erneuten Einschränkungen. Ein Regionalvertreter aus Marseille sprach von einer „kollektiven Bestrafung“ durch die Pariser Zentralregierung. Die Bürgermeisterin der Hauptstadt, Anne Hidalgo, nannte die verhängte Sperrstunde genauso „schwer verständlich“ wie die Schließung aller Fitnessclubs und Sporthallen.

Situation in einigen östlichen Ländern besorgniserregend

Die EU-Krankheitsbekämpfungsbehörde ECDC zeigte sich am Donnerstag besonders besorgt über die Situation in sieben mehrheitlich östlichen EU-Ländern, aber auch in Spanien. Einem aktuellen ECDC-Bericht zufolge ist der Anteil von schweren Krankheitsverläufen und Krankenhauseinweisungen in Spanien, Rumänien, Bulgarien, Kroatien, Ungarn, Tschechien und Malta besorgniserregend. In einigen dieser Ländern sei deshalb bereits eine steigende Anzahl von Corona-Toten zu beklagen, in den anderen sei dies zu erwarten.

In zwölf weiteren EU-Ländern, darunter Frankreich, Österreich und Belgien, sowie in Großbritannien steigen die Ansteckungszahlen laut ECDC ebenfalls rasant. Bislang seien dort allerdings eher jüngere Menschen betroffen und schwere Krankheitsverläufe seltener. In den restlichen Ländern, darunter Deutschland, ist die Lage demnach stabil. Insgesamt verzeichnet Europa mittlerweile über fünf Millionen bestätigte Ansteckungen.

ECDC-Chefin Andrea Ammon bezeichnete die Übertragung des Virus im privaten Bereich – bei Feiern, Familienessen, Hochzeiten und ähnlichem – als zentrales Problem.

Auch Minister Altmaier in Quarantäne

Derweil muss sich nach Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in Corona-Quarantäne begeben. Altmaier teilte am Mittwochabend über den Kurzbotschaftendienst Twitter mit, er befinde sich „vorsorglich“ in häuslicher Isolation. Am Nachmittag habe er erfahren, dass ein bei einem Treffen der EU-Handelsminister am Montag in Berlin anwesender Mitarbeiter eines Ministerkollegen positiv auf das Coronavirus getestet worden sei.

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