Ukraine-Krieg RHEINPFALZ Plus Artikel Immobilienkauf in Spanien: Auf der Flucht vor Krieg und Wetter

Blick auf Frigiliana an der Costa del Sol.
Blick auf Frigiliana an der Costa del Sol.

Aus Sorge vor dem Krieg in der Ukraine: Immer mehr Polen kaufen „Fluchtimmobilien“ in Spanien.

Sorge ums Geld, Sorge um die Sicherheit: Seit Beginn des Ukraine-Kriegs kaufen immer mehr Polen in Spanien Immobilien. Besonders beliebt sind die Costa Blanca und die Costa del Sol am Mittelmeer sowie die Kanarischen Inseln im Atlantik. Für diese Regionen, die für ihre Strände und ihre vielen Sonnentage berühmt sind, gehört Polen mittlerweile zu den wichtigsten internationalen Kundenmärkten.

„In den letzten beiden Jahren sind Polen und Käufer aus Osteuropa stark in Erscheinung getreten, sicherlich als Reaktion auf den Krieg“, heißt es im Marktbericht der Immobilienagentur Panorama in Marbella. Hinzu komme der Wunsch nach einem Ortswechsel aus dem kühlen Osten in ein wärmeres Klima „am südlichsten Zipfel Europas und weit entfernt von den Problemen und potenziellen Gefahren Mitteleuropas“.

Tendenz stark steigend

Marcin Borski, Chef der polnischen Immobilienagentur Casa En Sol in Warschau, sieht dies ähnlich. Der Ukraine-Krieg sei ein wichtiges Motiv für das große Interesse seiner Landsleute an einem Eigenheim in Spanien. Aber auch das schöne Wetter spiele eine Rolle: „Hier hingegen ist es das halbe Jahr lang kalt und düster.“ Die Suche nach „Fluchtimmobilien“ in Spanien, das rund 2000 Kilometer Luftlinie von Warschau entfernt liegt, spiegelt sich in der Statistik. 2021, vor Kriegsbeginn in der Ukraine, wurden 1309 spanische Immobilien von polnischen Bürgern erworben. 2023 waren es schon 3120 Häuser und Wohnungen – Tendenz stark steigend.

Seit Polen vor 20 Jahren in die EU aufgenommen wurde, hat das Land wirtschaftlich aufgeholt. Es ist inzwischen – gemessen am Bruttoinlandsprodukt – nach Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und den Niederlanden die sechstgrößte Wirtschaftsmacht der EU. „Die polnische Gesellschaft ist in den letzten Jahren reicher geworden“, bestätigt Immobilienfachmann Borski.

Russen auf Platz zehn

So wundert es wenig, dass die Polen laut spanischem Grundbuchregister mittlerweile 3,57 Prozent aller nicht-spanischen Käufer stellen. Damit rücken polnische Bürger im Ranking ausländischer Immobilieninvestoren in Spanien auf Platz neun. Vorne liegen immer noch Briten mit 9,5 und Deutsche mit 7,3 Prozent. Auf Platz zehn dieser Rangliste befinden sich gleich hinter den Polen die Russen. Und dies trotz EU-Sanktionen, mit denen Geldabflüsse aus Russland erschwert, Oligarchen-Konten blockiert und Visahürden errichtet wurden.

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