Politik Helmut Kohl darf bis 1. Juli zu Hause aufgebahrt bleiben

An dieser Stelle des Domkapitelsfriedhofs in Speyer soll das Grab für Altkanzler Kohl ausgehoben werden. Sein Sohn Walter kritis
An dieser Stelle des Domkapitelsfriedhofs in Speyer soll das Grab für Altkanzler Kohl ausgehoben werden. Sein Sohn Walter kritisiert den Bestattungsort und fordert einen Staatsakt vor dem Brandenburger Tor.

Die Ludwigshafener Polizei geht davon aus, dass der Leichnam des Altkanzlers erst am Tag des europäischen Trauerakts in Straßburg die Marbacher Straße verlässt. Der Speyerer Dom, wo in einer Woche ein Requiem zum Gedenken an Kohl geplant ist, wird ab Mittwoch abgesperrt.

«LudwigshafenMaike Kohl-Richter, die Witwe Helmut Kohls, hat schon am Todestag des Altkanzlers eine Sondergenehmigung erhalten, den Leichnam ihres Mannes bis zum Begräbnis in seinen Privaträumen aufzubahren. Das teilte gestern die Stadtverwaltung Ludwigshafen mit. Normalerweise sind 36 Stunden die Grenze. Um die hygienischen Aspekte kümmere sich ein „erfahrenes Bestattungsunternehmen“, hieß es. Der Abtransport des Sargs zum Begräbnis wurde in den vergangenen Tagen bereits geprobt. So wurde zunächst die Tür des Wohnhauses ausgemessen. Am Donnerstag trugen sieben in dunkle Anzüge gekleidete Männer einen Sarg in einen Leichenwagen. Die Sargträger nahmen dabei eine pietätvolle Haltung ein, so dass die Beobachter der Szene – darunter ein Journalist der Deutschen Presse-Agentur – annahmen, dass nun Kohls Leichnam abtransportiert wurde. Dadurch meldete gestern auch die RHEINPFALZ fälschlicherweise, Kohl sei jetzt nicht mehr in der Marbacher Straße. Wie die Überführung Kohls zum Trauerakt in Straßburg und dann zum Begräbnis in Speyer am 1. Juli ablaufen soll, ist noch nicht abschließend geklärt, erfuhr die RHEINPFALZ aus Polizeikreisen. Käme es zum Hubschraubertransport, wäre der Abflugort wohl bei der Autobahnpolizei in Ludwigshafen-Ruchheim. Den Start- und Landeplatz dort nutzte Kohl schon in seiner Amtszeit als Bundeskanzler. ARD und ZDF übertragen am 1. Juli live aus Straßburg und Speyer. Wie „Spiegel Online“ berichtete, gestaltet sich die Planung des Gedenkakts im Europaparlament schwierig. Ein Problem sei, dass die Türen des Plenarsaals nicht breit genug seien, um den Sarg hineinzutragen. Der Speyerer Dom wird wegen der Vorbereitungen des Requiems für Altkanzler Kohl am 1. Juli ab kommenden Mittwoch geschlossen. Dies sei nötig, um den Ablauf zu proben, so das Bistum. Auch würden Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Ein Gedenkgottesdienst für Kohl soll am Dienstag in Berlin gefeiert werden. Die Totenmesse sei um 7.30 Uhr in der Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale geplant, wie die Unions-Bundestagsfraktion mitteilte. Sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch Bundestagspräsident Norbert Lammert (beide CDU) wollen teilnehmen. Lammert hatte am Donnerstag im Bundestag Kohl gewürdigt und betont, „Art und Ort der Würdigung“ seien „bei allem Respekt nicht nur eine Familienangelegenheit“. Kohls älterer Sohn Walter forderte in einem Interview mit der „Zeit“ einen Staatsakt vor dem Brandenburger Tor. Er kritisierte zudem das geplante Begräbnis in Speyer: „Ich halte diese Entscheidung für falsch, zumal ich weiß, wie liebevoll er unser Familiengrab in Ludwigshafen-Friesenheim nach dem Tod unserer Mutter umgestaltete“, sagte Walter Kohl. Leitartikel Seite 2

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