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Griechenland: Tödliche Schüsse an Grenze zur Türkei
Nach Darstellung der griechischen Polizei entdeckte eine Grenzpatrouille kurz nach 21 Uhr ein Schlauchboot, das mit elf Migranten vom türkischen Ufer des Flusses ablegte. Über Lautsprecher und mit Lichtsignalen habe die Patrouille die Migranten zur Umkehr aufgefordert. Daraufhin seien von türkischer Seite erst einzelne Schüsse und dann mehrere Salven aus automatischen Waffen in Richtung auf das griechische Ufer abgegeben worden, heißt es in der Mitteilung der Polizei. Die Beamten seien in Deckung gegangen und hätten Warnschüsse in die Luft abgegeben.
Vier Migranten, drei Männer aus Pakistan und eine Frau aus Eritrea, konnten schwimmend das griechische Ufer erreichen. Wenig später bargen die Polizisten die im Wasser treibende Leiche einer Frau. Nach Angaben eines Gerichtsmediziners starb sie an einem aus kurzer Entfernung abgegebenen Schuss aus einer Kleinkaliberwaffe in den Rücken. Die griechische Polizei verwendet nach eigenen Angaben keine solchen Schusswaffen. Die vier geretteten Migranten sagten, sie hätten Schleusern pro Kopf 2000 Euro für die Überfahrt gezahlt. Über das Schicksal der anderen sechs Menschen in dem Schlauchboot war zunächst nichts bekannt.
Der Grenzfluss Evros (türkisch: Meric) ist, neben der Ägäis, eine Hauptroute für Migranten, die von der Türkei nach Griechenland kommen. Seit Jahresbeginn überquerten nach Angaben der UN-Flüchtlingsagentur UNHCR etwa 1000 Menschen die Grenze am Evros. Die griechische Regierung wirft der Türkei vor, dass sie die Schleusungen von Migranten duldet oder sogar begünstigt, obwohl sie sich im 2016 mit der EU geschlossenen Flüchtlingspakt verpflichtet hatte, die irreguläre Migration zu unterbinden.
Streit um Hoheitsrechte
Unterdessen sorgen Flüge türkischer Kampfjets über der Ägäis für neue Spannungen zwischen den beiden verfeindeten Nachbarn Griechenland und Türkei. Nach griechischer Darstellung haben in der vergangenen Woche türkische Militärpiloten mehr als 200 Mal den griechischen Luftraum verletzt und etwa 30 Mal auch bewohnte griechische Inseln im Tiefflug überquert.
Griechenlands Außenminister Nikos Dendias sprach von einer eklatanten Verletzung des Völkerrechts. Athen und Ankara streiten seit Jahrzehnten über die Hoheitsrechte in der Ägäis, an die beide Länder grenzen. Im Athener Verteidigungsministerium vermutet man einen Zusammenhang der jüngsten Überflüge mit Besuchen des griechischen Generalstabschefs Konstantinos Floros auf einigen ostägäischen Inseln. Die Türkei fordert unter Hinweis auf die Verträge von Lausanne aus dem Jahr 1923 und Paris von 1947 eine Demilitarisierung dieser Inseln. Griechenland beruft sich auf sein Recht zur Selbstverteidigung, das in der Charta der Vereinten Nationen verankert ist.
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