IWF-Finanzhilfe
Griechenland zahlt Hilfsgelder vorzeitig zurück
Kreditraten von 1,8 Milliarden Euro möchte Finanzminister Christos Staikouras jetzt an den IWF nach Washington überweisen. „Wir haben einen Antrag auf vollständige Rückzahlung des ausstehenden Saldos unserer IWF-Darlehen gestellt“, bestätigte Staikouras. In den Krisenjahren 2010 bis 2018 flossen Hilfskredite von 289 Milliarden Euro nach Griechenland. 32 Milliarden kamen vom IWF. Mit der vorzeitigen Rückzahlung spart das Land Geld beim Schuldendienst.
Die vorzeitige Tilgung ist aber auch ein wichtiger symbolischer Schritt. IWF: Vielen Menschen in Griechenland treiben diese Buchstaben noch heute die Zornesröte ins Gesicht. Der Währungsfonds ist ein rotes Tuch. Was immer die Menschen in Griechenland während der Schuldenkrise ertragen mussten – Arbeitslosigkeit, Einkommensverluste, Rentenkürzungen, Entwertung ihrer Vermögen –, viele machen vor allem den IWF dafür verantwortlich. Aber was man in Griechenland oft vergisst: Früher als die Europäer erkannte der Währungsfonds die Fehler des Rettungskonzepts und übte Selbstkritik.
Vertuschungsversuch
Der IWF spielte bei der Griechenland-Rettung von Anfang an eine tragende Rolle. Bereits 2008, als die großen Ratingagenturen Griechenland mit der Note „A“ noch als investitionswürdigen Schuldner und griechische Staatsanleihen als „sichere Anlage“ bewerteten, verfassten Analysten des IWF einen vernichtenden Bericht über den desolaten Zustand der griechischen Staatsfinanzen unter dem damaligen konservativen Premier Kostas Karamanlis.
Der dann ab Oktober 2009 in Athen amtierende sozialdemokratische Premier Giorgos Papandreou sondierte zunächst Hilfsmöglichkeiten des IWF. Die Geschichte beginnt im Januar 2010 mit einem Geheimtreffen Papandreous und des damaligen IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Der damalige griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou, der an dem Treffen teilnahm, beschreibt die denkwürdige Szene in seinem Buch „Game Over“. Um unbeobachtet zu sein, ziehen sich Papandreou und Strauss-Kahn in die Küche eines Davoser Nobelhotels zurück. Inmitten schwitzender Köche und umherflitzender Kellner erörtern sie im Stehen die Möglichkeiten eines Hilfspakets. Strauss-Kahn verspricht, die Europäer von der Notwendigkeit eines gemeinsamen Rettungsprogramms zu überzeugen und vor allem jenes Land ins Boot zu holen, ohne das es nicht geht: Deutschland.
Konzeptionelle Schwächen
Strauss-Kahn brauchte die damalige Bundesregierung nicht lange zu überreden. Berlin bestand darauf, den IWF eng in das Griechenland-Programm einzubinden, denn die EU verfügte damals nicht über ein eigenes Instrumentarium zum Krisenmanagement. Das erste, im Mai 2010 geschnürte Hilfsprogramm trug mit seinen rigorosen Austeritätsvorgaben die Handschrift des IWF und erfüllte damit die Wünsche Berlins. Aber früher als andere erkannte der IWF die konzeptionellen Schwächen des Rettungsprogramms, das vor allem auf Sparvorgaben setzte, Strukturreformen und Wachstumsimpulse aber vernachlässigte.
Selbstkritisch räumte der IWF ein, man habe die katastrophalen Folgen der Sparvorgaben für die Konjunktur und den Arbeitsmarkt unterschätzt. Unter den Folgen des Sparprogramms leiden die Menschen bis heute. Experten schätzen, dass Griechenlands Pro-Kopf-Einkommen frühestens 2027 wieder das Vorkrisenniveau erreichen wird. Und die Tilgung der europäischen Hilfskredite soll sogar bis 2070 dauern.
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