Ermittlungen Gehört die Luxusjacht „Scheherazade“ Putin?

Kapitän der „Scheherazade“, hier 2020 in Dubrovnik, ist ein Brite. Die Besatzung soll bis vor Kurzem ansonsten aus Russen bestan
Kapitän der »Scheherazade«, hier 2020 in Dubrovnik, ist ein Brite. Die Besatzung soll bis vor Kurzem ansonsten aus Russen bestanden haben.

In einem Werftbecken in der toskanischen Küstenstadt Carrara liegt die „Scheherazade“ vor Anker – das derzeit wohl berüchtigtste Schiff in ganz Italien. Es wird vermutet, dass die 140 Meter lange Luxusjacht keinem Geringeren als Russlands Präsidenten Wladimir Putin gehören könnte.

Die rund 600 Millionen Euro teure Jacht ist derzeit Gegenstand der Ermittlungen der italienischen Finanzpolizei. Seit dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine im vergangenen Monat sind in Europa bereits mehrere Jachten russischer Oligarchen beschlagnahmt worden. Sollte dieses Schicksal auch die „Scheherazade“ ereilen, wäre sie sicher der spektakulärste Fall – zumindest, falls als Besitzer tatsächlich der russische Präsident nachgewiesen werden kann.

Das Schiff liegt seit einigen Monaten zu Wartungszwecken in einer Werft der Italian Sea Group in Marina di Carrara – unweit der berühmten Marmorsteinbrüche von Carrara – im Westen der Toskana. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachtete am Mittwoch keine Anzeichen von Aktivitäten an Bord, nur Arbeiter waren in der Nähe der Jacht zu sehen.

Wie AFP von einer der Finanzpolizei nahestehenden Quelle erfuhr, dürften die Ermittlungen binnen Tagen abgeschlossen sein. „Wir befinden uns in einer Phase, in der wir tiefer in die Materie eintauchen“, hieß es. „Es ist nicht immer einfach, die Eigentumsverhältnisse zuzuordnen.“

Der Kapitän ist Brite

Eines dürfte klar sein: Wer so eine Jacht besitzt, pflegt einen extravaganten Lebensstil. Das von der deutschen Lürssen-Werft im Jahr 2020 gebaute Schiff verfügt laut der Website SuperYachtFan, die Informationen über Jachten und ihre Besitzer recherchiert, über zwei Hubschrauberlandeplätze, einen Swimmingpool und ein Kino.

Medienberichten zufolge gehört die „Scheherazade“, die unter der Flagge der Cayman-Inseln fährt, einem auf den Marshall-Inseln registrierten Unternehmen. Mitglieder der Anti-Korruption-Stiftung des inhaftierten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny veröffentlichten am Montag ein Video auf Youtube, in dem sie die Jacht dem russischen Präsidenten Putin zuschreiben. Der Kapitän sei Brite, die übrige Besatzung russisch, hieß es in dem Video.

Die Rechercheure beriefen sich auf eine ihnen vorliegende Liste mit Namen von Besatzungsmitgliedern. Mehrere von ihnen sollen Mitarbeiter des staatlichen russischen Schutzdienstes sein, der für Putins Sicherheit zuständig ist.

Besatzung ausgetauscht

Am Mittwoch berichtete Paolo Gozzani von der Gewerkschaft CGIL, der Werftarbeiter angehören, dass sich die Besatzung der „Scheherazade“ in den vergangenen Tagen plötzlich geändert habe. „Die Besatzung bestand ausschließlich aus russischem Personal“, sagte er . „Und dann wurde plötzlich das gesamte Personal durch eine britische Besatzung ersetzt.“ Die Gründe seien unklar.

Der Werfbetreiber Italian Sea Group erklärte unterdessen, die Luxusjacht sei „nicht dem Eigentum des russischen Präsidenten Wladimir Putin zuzuordnen“. Diese Einschätzung basiere auf „den in ihrem Besitz befindlichen Unterlagen und den Ergebnissen der von den zuständigen Behörden durchgeführten Kontrollen“, hieß es.

In einem Interview mit der Zeitung „New York Times“ sagte auch der britische Kapitän der „Scheherazade“ Anfang März, Putin sei nicht Eigentümer des Schiffes – der russische Präsident habe nie einen Fuß an Bord gesetzt. Der Kapitän weigerte sich allerdings, den Namen des Eigners zu nennen, erklärte jedoch lediglich, dass es sich um niemanden handele, gegen den derzeit Sanktionen verhängt seien.

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