Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel GDL-Streik: Mit gnadenloser Härte

GDL-Chef Claus Weselsky überzieht den DB-Vorstand immer wieder mit heftigen Vorwürfen.
GDL-Chef Claus Weselsky überzieht den DB-Vorstand immer wieder mit heftigen Vorwürfen.

Das Recht, Tarifverträge auszuhandeln, geht auch mit Verantwortung einher. Bei der GDL ist davon derzeit wenig zu spüren.

Die im Grundgesetz festgeschriebene Tarifautonomie ist ein hohes, schützenswertes Gut. Sie gibt Gewerkschaften und Arbeitgebern das Recht, frei von staatlichem Einfluss oder gar Zwang über Lohn- und Arbeitsbedingungen von Beschäftigten zu verhandeln.

Wie bei jedem Recht geht auch mit der Tarifautonomie Verantwortung einher. Schließlich finden Tarifverhandlungen nicht im luftleeren Raum statt, haben insbesondere Tarifkonflikte in vielen Fällen Auswirkungen über die unmittelbar Beteiligten hinaus. Dabei gibt es wohl kaum einen Bereich, in dem diese Auswirkungen auf Dritte dermaßen spürbar werden wie im Bahnverkehr.

Konflikt auf dem Rücken von Millionen Bahnkunden

Ausgerechnet dort lässt die Lokführergewerkschaft GDL die Tarifauseinandersetzung mit der Deutschen Bahn (DB) nun in einem bisher nicht gekannten Maß eskalieren, ruft ihre Mitglieder zum längsten Streik bei der DB auf. Verbunden wird die Streikankündigung mit wüsten Attacken auf die Gegenseite.

Mit verantwortungsvoller Tarifpolitik, die gerade in einem Bereich wie dem Bahnverkehr auch die Folgen für die Allgemeinheit im Blick haben sollte, hat das Agieren der GDL immer weniger zu tun. Auf dem Rücken von Millionen Bahnkunden und ohne Rücksicht auch auf die wirtschaftlichen Folgen versucht die GDL mit gnadenloser Härte, ihre Positionen – insbesondere die Forderung nach einer kürzeren Wochenarbeitszeit für Schichtbedienstete – durchzusetzen. Die Rückkehr an den Verhandlungstisch wird ebenso verweigert wie ein von vielen Seiten gefordertes Schlichtungsverfahren. Wer so agiert, setzt sich dem Verdacht aus, den Konflikt vor allem um des Konflikts willen zu suchen.

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