U-Boot-Deal
Frankreichs Zorn auf Amerika: Die Party ist vorbei
Es gibt nicht viel, das Jean-Yves Le Drian aus der Fassung bringen könnte. Der französische Außenminister ist seit den 70er Jahren in der Politik – in den 80ern und den 90ern übrigens war er Bürgermeister der Ludwigshafener Partnerstadt Lorient. Aber was Le Drian jetzt erleben musste, macht ihn schlicht zornig: Die USA haben mit Australien einen U-Boot-Deal geschmiedet, der das Aus für einen U-Boot-Verkauf der Grande Nation nach Down Under bedeutet. 56 Milliarden Euro gehen flöten! Und obendrein haben die Amerikaner die Franzosen erst im Nachhinein offiziell informiert.
Natürlich sind die Australier ohnehin sehr enge Alliierte der USA, aber das französisch-amerikanische Verhältnis ist doch ein historisches. Das versteht jeder, der einmal das Weiße Haus besucht hat. Direkt nördlich vom Amtssitz des US-Präsidenten ist nämlich der parkähnliche Lafayette-Platz, benannt nach dem Marquis de Lafayette, ohne den die USA den Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten nicht gewonnen hätten. Er unterstützte General George Washington unter anderem in der entscheidenden Schlacht von Yorktown 1781 – mit 8000 Soldaten und 29 Schiffen.
Washingtons Party-Adresse Nummer eins
Nicht von ungefähr also ist die französische Botschaft an der Reservoir Road im idyllischen Nordwesten der US-Kapitale eine andere wichtige Adresse in Washington. Die Partys dort sind legendär, nicht zuletzt, weil die Franzosen einfach die besten Weine und das feinste Essen haben. Lädt der französische Botschafter zum Empfang, ist von einer hohen Promi-Dichte aus aktuell Mächtigen und vielleicht bald wieder Mächtigen auszugehen.
Aber die Gala, die jetzt zum 240. Jahrestag der Seeschlacht vor der Chesapeake Bay 1781 anstand, haben die Franzosen aus Zorn glatt abgeblasen. „Ein Messer in den Rücken“, nennt Jean-Yves Le Drian den U-Boot-Deal der USA mit Canberra. Zwar hatten französische Diplomaten Gerüchte darüber aufgeschnappt; aber die Amerikaner saßen Anfragen dazu aus. Und erst als Botschafter Philippe Étienne davon in der Presse las, rief Präsident Joe Bidens Sicherheitsberater Jake Sullivan auch bei Étienne an.
Biden doch nur ein neuer Trump?
Im Zuge dieser Geschichte kommt noch etwas anderes ans Licht: Die Australier hatten sich schon länger beschwert, dass die U-Boote der Franzosen immer teurer wurden. Aber Le Drian lässt das nicht als Argument gelten, so mit Paris umzugehen. Im Raum steht nun sogar der Vorwurf, Biden sei keinen Deut besser als Donald Trump, der bekanntlich auf die Allianz mit Europa pfiff. Bidens Sprecherin Jen Psaki wurde schon darauf angesprochen: Der Vergleich beschäftige den Präsidenten „nicht so sehr“, meinte sie trocken. Vielleicht überlegt er sich das besser noch mal.