Energiekrise
Audi-Manager spricht sich für Fahrverbote und Tempolimit aus
Markus Duesmann hat am Mittwoch gewiss viel Post bekommen. Man kann sich in etwa vorstellen, wie es am Morgen im E-Mail-Eingang und im Whatsapp-Account des Audi-Chefs ausgesehen hat. Bestimmt trudelten in Ingolstadt Nachrichten der Kollegen aus München, Stuttgart, Rüsselsheim und Wolfsburg ein – und ganz sicher auch mehrere von Hildegard Müller, der Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie.
Was Duesmann zu lesen bekam, dürfte nicht wirklich freundlich gewesen sein. Im besten Fall war es noch verständnislos, vermutlich aber eher ärgerlich bis wütend. Schließlich hat der Audi-Manager ein Tabu gebrochen. Zwar hätten die hohen Spritpreise bereits Auswirkungen auf das Fahrverhalten der Deutschen, sagte Duesmann. So würden immer mehr Fahrer auf den Autobahnen die rechte Spur nutzen und nicht schneller als 100 Kilometer pro Stunde fahren. Doch das sei angesichts der Energiekrise nicht genug. „Um uns in Deutschland besser einzustimmen auf die Lage und die Notwendigkeit des Sparens, könnte es wieder autofreie Tage geben, so wie in den 1970er Jahren.“
Teufelszeug für Automanager
Darin mag man noch einen gewissen Eigennutz eines Hobbysportlers erkennen. „Wenn es ein Sonntag ist, werde ich mit meinem Rennrad über die gesperrte Autobahn fahren“, sagte Duesmann weiter – und viele würden es im wahrscheinlich gleichtun. Dann aber wird es gruselig; es ist sozusagen der Lord-Voldemort-Moment der Autobranche. Das ist der Bösewicht in der Fantasyreihe „Harry Potter“, der so schrecklich ist, dass sein Name nicht ausgesprochen werden darf. Das gilt auch für das Wort „Tempolimit“, dass Automanager eigentlich für Teufelszeug halten. Duesmann fände es gleichwohl sinnvoll, die Geschwindigkeit auf deutschen Autobahnen zu begrenzen.
Das ist erstaunlich für den Vertreter einer Automarke, deren Wagen meist auf den Überholspuren zu finden sind. Und steht im Widerspruch zu Aussagen von Cheflobbyistin Müller, die der Ansicht ist, dass Autofahrer keine „Belehrungen“ bräuchten. Auch das sieht Duesmann anders: „Wir müssen umdenken, uns klar werden, dass sich unser Leben ändert.“ Jetzt muss er seine Einsichten nur noch in konkretes Handeln seines Unternehmens umsetzen. Kleinere und effizientere Audis wären auch eine ganz gute Idee. Das heißt ja nicht gleich, dass bei Tempo 100 Schluss sein muss.
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