Politik
„Er starb wie ein Hund“
US-Präsident Trump lässt sich ausführlich über die Attacke von Elitesoldaten gegen IS-Anführer al-Bagdadi aus. Seine Worte stehen in scharfem Kontrast zur Art und Weise, wie sein Vorgänger Obama 2011 den Tod des Al-Qaida-Führers Bin Laden verkündete.
Es ist Sonntagmorgen, kurz nach neun Uhr in Washington, als Donald Trump im Weißen Haus vor die Kameras tritt. Nicht im Oval Office, seinem Arbeitszimmer, sondern im prunkvolleren Ambiente des Diplomatic Reception Room, unter einem Bildnis des Staatsgründers George Washington, vor den Flaggen der Teilstreitkräfte des amerikanischen Militärs.
„Gestern Abend haben die Vereinigten Staaten den führenden Terroristen der Welt der Gerechtigkeit zugeführt“, sagt Trump. „Abu Bakr al-Bagdadi ist tot.“ Der Anführer des selbsternannten „Islamischen Staates“ (IS), so Trump, sei in einen Tunnel ohne Ausgang geflohen. „Die ganze Zeit wimmernd und heulend und schreiend“, verfolgt von Hunden des angreifenden US-Kommandotrupps.
Drei der 14 Kinder, die offenbar in dem Gebäudekomplex lebten, in dem er sich versteckte, habe er mit sich genommen. Sie seien mit al-Bagdadi getötet worden, als er einen Sprengstoffgürtel zündete. Die Explosion habe den Körper Al-Bagdadis bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, Forensik-Experten hätten ihn dennoch anhand seiner DNA identifizieren können.
Seit einem Monat unter Beobachtung
Nach Darstellung Trumps hatte man den Gründer des IS seit ungefähr einem Monat unter Beobachtung, nachdem es Hinweise gegeben habe, er sei in der syrischen Rebellenprovinz Idlib untergetaucht. Zwei, drei Versuche, ihn zu stellen, habe man abbrechen müssen, da er jeweils sehr plötzlich seinen Aufenthaltsort änderte. Am Samstag gegen 17 Uhr US-Ostküstenzeit habe die Operation dann begonnen.
Zu der Zeit habe er, Trump, sich in den Situation Room, das Krisenzentrum der Regierungszentrale, begeben, um die Aktion gemeinsam mit seinen engsten Vertrauten zu beobachten. Die aus dem Nahen Osten übermittelten Bilder seien sehr klar gewesen, „als würde man sich einen Film anschauen“, schwärmte der Präsident.
In acht Helikoptern sei der Kommandotrupp zu seinem Ziel im Nordwesten Syriens geflogen. Dies habe etwas länger als eine Stunde gedauert, sagt Trump, ohne genauere Angaben zum Startpunkt zu machen. In Al-Bagdadis Schlupfwinkel seien sie dann auf heftigen bewaffneten Widerstand gestoßen.
Nach Darstellung des Weißen Hauses sprengten die Amerikaner ein Loch in eine Mauer, während sie die Eingangstür des Hauses mieden, da sie dort Sprengstoff-Fallen vermuteten. Mehrere Kämpfer des IS sowie zwei Frauen, beide mit Sprengstoffgürteln um den Leib, seien während des Gefechts getötet worden. Alle US-Soldaten dagegen hätten den Einsatz überlebt, lediglich einer der Hunde habe Verletzungen erlitten.
Moskau vorab informiert
Sein Dank, so Trump, gelte Russland, der Türkei, Syrien, Irak und den syrischen Kurden. Moskau habe man vorab informiert, da der Trupp durch syrischen Luftraum fliegen musste, den russisches Militär kontrolliere. Russland habe sich „großartig“ verhalten, „sie hassen den IS ja genauso wie wir“. An dem Sturm auf Al-Bagdadis Anwesen seien allerdings ausschließlich US-Soldaten beteiligt gewesen.
Was auffällt bei dem Auftritt, ist der Ton, den der Mann im Diplomatic Room anschlägt. Er steht im Kontrast zum Ton des Vorgängers Barack Obama, den dieser nach einem ähnlichen, noch bedeutsameren Coup wählte. Als nämlich 2011 ein Kommando den Al-Qaida-Terrorchef Osama Bin Laden in dessen Zufluchtsort Pakistan stellte und tötete. Obama wählte eine betont präsidiale Sprache; er war eher zurückhaltend in der Wortwahl, gemäß der Maxime, dass eine Weltmacht ihre Stärke nicht auch noch rhetorisch herauskehren muss.
Trump dagegen nennt Al-Bagdadi einen „kranken und verdorbenen“ Mann mit einer Anhängerschaft, die aus „Verlierern“ und „verängstigten Welpen“ bestehe. „Er starb wie ein Hund. Er starb wie ein Feigling.“