Politik Eine Moschee „für Kölle“

36 Meter hoch: die reich ornamentierte und kühn konstruierte Kuppel der Ditib-Moschee in Köln-Ehrenfeld.
36 Meter hoch: die reich ornamentierte und kühn konstruierte Kuppel der Ditib-Moschee in Köln-Ehrenfeld.

„Ich glaube, für eine türkische Familie, die fünf Jahre in Köln lebt, ist das auch schon ihr Dom.“ Das hat 2012 die damalige Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner über die weltberühmte Riesen-Kirche am Rhein gesagt – und da ist viel dran. Bauwerke, die eine Stadt so dominieren, prägen die Gefühle der Menschen. Der Kölner Dom war bis 1884 das höchste Gebäude der Erde, 4000 Plätze bietet er den Gläubigen. Es ist ein architektonisches Wunder zum Lobe Gottes. Das macht auch Kölner stolz, die keine Katholiken sind. Ob „die Türken“ der Domstadt dazu gehören, wird immer wieder in Frage gestellt. Nach dem Referendum über die türkische Verfassung feierten Kölner Anhänger von Präsident Recep Tayyip Erdoğan mit einem Autokorso. Die Gemüter erregt zudem immer noch der 2009 begonnene Bau der Zentralmoschee des Islamverbands Ditib im Stadtteil Ehrenfeld. Über Ditibs Bande zum Religionsamt der Türkei lässt sich streiten – aber die Zentralmoschee, obschon deutlich bescheidener als der Dom, sie soll ein Bauwerk „für Kölle“ sein. Daran glaubt zum Beispiel auch Hannelore Bartschner, Chefin des Kölner Katholikenausschusses. Zwar gibt es bereits 70 Gebetsorte für die 120.000 Muslime in der Domstadt. Keiner jedoch ist so prachtvoll wie der Kuppelsaal der Zentralmoschee. Am vergangenem Freitag wurde erstmals in ihm gebetet. Jeder Kölner darf stolz sein. 36 Meter hoch ist der Saal. 1200 Besucher haben Platz. Der mit türkisem Teppich ausgelegte, lichtdurchflutete Raum strahlt in Weiß und Gold. Die Deckenmedaillons sind unter anderem Abraham, Mose, Noah und Jesus gewidmet, als Zeichen dafür, dass ein langes Band Judentum, Christentum und Islam verbindet. Suat Okuyan, Ditib-Vizevorsitzender, sagt: „Diese Moschee wird jederzeit das Fundament für die Bemühungen für Frieden, Geborgenheit und Geschwisterlichkeit sein.“ Die Affäre um mutmaßliche Spionage durch Imame in Ditib-Gemeinden wirft noch Schatten, aber die Zentralmoschee wird das überdauern. Ihr Baufortschritt (ganz fertig ist sie noch nicht) steht genauso für gelebte Religionsfreiheit wie der für Samstag geplante Kölner Friedensmarsch. Auch Ditib-Generalsekretär Bekir Alboğa unterstützt die Demo, bei der Muslime Gesicht zeigen und sich abgrenzen wollen – gegenüber jenen Terroristen, die glauben, im Namen des Islam zu handeln, ihn aber zum Schrecken auch der allermeisten Muslime missbrauchen.

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