Coronavirus
Ein US-Präsident, der die Wissenschaft ignoriert
„Ich glaube, er hat einen Fehler gemacht. Seine Informationen sind nicht korrekt“, wies Donald Trump in einer Pressekonferenz am Mittwochabend (Ortszeit) den Virologen Robert Redfield zurecht. Der ist Leiter der Seuchenschutzbehörde CDC (Center for Disease Control and Prevention). Ein Impfstoff gegen das neue Coronavirus werde viel früher zur Verfügung stehen, als es „der Doktor“ prophezeit habe, tönte Trump.
Was war passiert? Bei einer Anhörung im Senat hatte sich Redfield für seine Verhältnisse erstaunlich weit aus dem Fenster gelehnt. Die meisten Amerikaner, sagte er, dürften frühestens im späten Frühjahr, vielleicht auch erst im Sommer nächsten Jahres Zugang zu dem Impfstoff haben. Selbst wenn ihn die zuständige Behörde FDA (Food and Drug Administration) schon bald genehmigen sollte, werde es dauern, bis er massenhaft verfügbar sein.
Damit präzisierte Redfield einen Zeitplan, wie ihn die meisten seiner Kollegen in den USA für realistisch befinden. Anthony Fauci, Direktor des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten, hält die Rückkehr zu einem Alltagsleben, wie man es aus Prä-Corona-Zeiten kenne, erst Ende 2021 für möglich.
Auch Pharma-Firmen zurückhaltend
Vor überzogenen Erwartungen warnte am Donnerstag auch die Biotechnologie-Firma Moderna, die im globalen Wettlauf um den Durchbruch mit an der Spitze liegt. Eine erste Auswertung nach Versuchen mit rund 30.000 Testpersonen sei nicht vor Ende Dezember geplant, teilte das Unternehmen mit. Ob das Vakzin wirke, werde man vermutlich erst nach gründlicheren Analysen im März und Mai wissen. Fauci wiederum glaubt, dass es nach Genehmigung des Impfstoffs sechs Monate dauern kann, ehe das Gros der Bevölkerung geimpft ist.
Mit dem Impfschutz, betonte der CDC-Chef, sei auch keineswegs Immunität garantiert. Eindeutige Beweise gebe es dagegen für die Wirksamkeit des Mund-Nasen-Schutzes. „Ich würde sogar noch weiter gehen und sagen: Die Sicherheit, dass mich eine Maske vor Covid schützt, ist größer als die Sicherheit, die ich mit einer Impfung gegen Covid habe.“
Biden: Vertraue Trump nicht
Im aufgewühlten amerikanischen Diskurs klang das wie eine Kampfansage. Für Anhänger Trumps ist es nämlich üblich, sich maskenlos zu versammeln, etwa bei Wahlkundgebungen, nicht nur im Freien, sondern auch in geschlossenen Räumen. Joe Biden, der Rivale im Duell ums Oval Office, kommentierte die Debatte am Dienstag so: „Ich habe Vertrauen in Impfungen. Ich habe Vertrauen in die Wissenschaft. Donald Trump vertraue ich nicht.“