Klimaschutz
Ein Ölmanager soll das Klima retten
Von Papst Franziskus bis König Charles, von Olaf Scholz bis Bill Gates: Die internationale Politik- und Wirtschaftselite trifft sich ab Donnerstag bei der Weltklimakonferenz in Dubai. Gastgeber der 28. Klimakonferenz – kurz COP28 genannt – ist ausgerechnet der Ölstaat Vereinigte Arabische Emirate (VAE). Geleitet wird das knapp zweiwöchige Treffen vom Chef des staatlichen VAE-Ölunternehmens Adnoc, Sultan Ahmed al-Jaber. Damit werde der Bock zum Gärtner gemacht, sagen Kritiker. In der führenden Rolle der VAE bei der Konferenz liegen aber auch Chancen.
Er werde in Dubai für einen Klima-Konsens werben, kündigte Jaber in einem Grußwort für die Konferenz an. Im Mittelpunkt stehen für ihn „pragmatische“ Schritte. Damit meint der 50-Jährige vor allem: kein schneller Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen. Zwar sei eine langsame Umorientierung unausweichlich, sagte der Öl-Chef dem US-Magazin „Time“. Doch für einen Abschied von Öl und Gas sei die Welt noch nicht bereit. Als siebtgrößter Ölproduzent der Welt handeln die VAE entsprechend. Sie wollen 150 Milliarden Dollar in den Ausbau ihrer Öl- und Gasindustrie investieren.
Greenpeace „zutiefst besorgt“
Aktivisten befürchten deshalb bei der COP28 das Schlimmste. Greenpeace zeigte sich „zutiefst besorgt“ über Jabers Ernennung zum Konferenz-Präsidenten. Anhänger von Öl und Gas hätten die Klimakonferenzen „gekapert“, schimpfte Teresa Anderson von der Gruppe ActionAid.
Schon bei der Weltklimakonferenz in Ägypten im vorigen Jahr gelang es nicht, das Ende fossiler Energieträger verbindlich festzuschreiben. Kurz vor der COP28 endete auch eine Konferenz über Plastikmüll in Kenia ohne Einigung. Umweltgruppen machten die Ölindustrie und ölproduzierende Staaten dafür verantwortlich.
Kritik an Autokratie
Kritik gibt es auch am autokratischen Regierungssystem der VAE. Die Beschränkungen der Meinungs- und Versammlungsfreiheit in den Emiraten lassen nach Einschätzung von Amnesty International daran zweifeln, dass in Dubai frei und ohne Einschüchterung diskutiert werden könne.
Für die Emirate wiegen die Vorteile der Gastgeber-Rolle der Konferenz schwerer als die Kritik an den Golf-Arabern, sagt Tobias Zumbrägel, Experte für Klimapolitik und Umweltschutz in der arabischen Welt. „Man kann als Gastgeber massiv Einfluss nehmen und mitgestalten. Die Erfahrung hat gezeigt, dass diese Methode mehr bringt, als wenn man das ganze Problem einfach ignoriert, wie die Golf-Araber das noch vor Jahrzehnten getan haben“, sagte Zumbrägel, Wissenschaftler am Geographischen Institut der Universität Heidelberg, im Gespräch mit der RHEINPFALZ.
Die Doppelstrategie der Emirate
Die VAE verfolgen nach Einschätzung von Zumbrägel eine Doppelstrategie. Auf der einen Seite machten die Emirate mit Prestigeprojekten wie großen Solaranlagen und der Produktion von sauberem Wasserstoff auf sich aufmerksam, lösten sich langsam von Öl und Gas und könnten wegen der sinkenden Kosten der Erneuerbaren zu Hause grüne Energie verbrauchen, was mehr Öl für den Export übriglasse. Auf der anderen Seite wollten die VAE nicht auf Öl und Gas verzichten und setzten sich dafür ein, eher die schädlichen Emissionen zu reduzieren, als den Einsatz der fossilen Brennstoffe so schnell wie möglich zu beenden. Dabei seien Technologien wie die zur Abscheidung von CO2 noch längst nicht ausgereift.