Politik Drogenbeauftragte: Hedgefonds wollen Cannabis-Freigabe

Der Konsum von Cannabis ist in Deutschland in jüngster Zeit wieder angestiegen.
Der Konsum von Cannabis ist in Deutschland in jüngster Zeit wieder angestiegen.

«Berlin.»Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung warnt eindringlich vor einer Verharmlosung von Cannabis. Zugleich wies Marlene Mortler (CSU) gestern darauf hin, dass vor allem US-Investoren bei einer Freigabe von Cannabis schon ein gutes Geschäft auf dem deutschen Markt witterten.

„Der Drogenmarkt ist heute vollständig globalisiert“, sagte Mortler bei der Vorstellung des Drogen- und Suchtberichts 2017 in Berlin. Die Verharmlosung von Cannabis sei inzwischen ein allgemeiner Trend und mit ein Grund, weshalb der Konsum der Droge in jüngster Zeit wieder angestiegen sei. 6,1 Prozent der Erwachsenen gaben demnach an, in den vergangenen zwölf Monaten die Droge genommen zu haben, so viele wie zuletzt 2003. Dabei sei der Anteil gefährlicher Wirkstoffe in Cannabis heute etwa viermal so hoch wie in den 70er Jahren, sagte Mortler weiter. Es müsse Schluss sein mit diesen vom Lifestyle getriebenen Verharmlosungsdebatten. Sie verwies auf die Folgen der Legalisierung von Cannabis im US-Bundesstaat Colorado, wo die Anzahl der Konsumenten unter Jugendlichen um 20 Prozent gestiegen sei. Auch die Häufigkeit der Vergiftungen bei kleinen Kindern nehme zu. Nach den Worten Mortlers besteht ein hoher Druck der Cannabis-Lobby. „Es geht um ein großes Geschäft“, sagte sie und fügte hinzu, selbst für Hedgefonds – insbesondere aus den USA – sei das reiche Deutschland ein „hochinteressanter Markt“. Diese Investoren warteten nur darauf, dass Cannabis hierzulande legalisiert werde. Schon mit der Zulassung von Cannabis als Arzneimittel haben die Stimmen zugenommen, die ein gutes Geschäft erhoffen. Mortler sagte nun, inzwischen habe die Cannabis-Lobby einen besseren Zugang zu Teilen der Politik als die Alkohol- oder Tabak-Lobby. Auch Schüler erreiche die Cannabis-Lobby über die sozialen Medien gut. Je früher die Kinder Cannabis konsumierten, umso höher sei später das Risiko psychischer Probleme. 51 Prozent der Eltern und zwölf Prozent der Lehrer wissen einer Berliner Umfrage zufolge nicht, dass Cannabis das im Wachsen befindliche Gehirn von Kindern stark schädigen kann. Der Drogenkonsum müsse zurückgedrängt werden, sagte die CSU-Bundestagsabgeordnete. Mortler forderte eine aktive Anti-Cannabis-Politik im Bund. Gegen die Droge sei ein flächendeckendes Präventionsprogramm nötig wie bei Alkohol und Tabak. Als positiven Trend hob die Drogenbeauftragte hervor, dass der Tabak- und Alkoholkonsum bei Jugendlichen in den vergangenen 15 Jahren um zwei Drittel beziehungsweise um die Hälfte zurückgegangen sei. Allerdings richteten legale Suchtstoffe wie Alkohol und Tabak immer noch größeren gesellschaftlichen Schaden an als illegale Suchtstoffe. Mortler verwies auf die 121.000 Menschen, die im Jahr an den Folgen des Rauchens sterben, und die 74.000 Menschen, die wegen Alkoholmissbrauchs zu Tode kommen. Die CSU-Politikerin sprach sich für einen Verzicht auf Alkoholwerbung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen aus. Sie kündigte noch für diese Wahlperiode einen sogenannten Alkohol-Atlas an, der nach dem Vorbild des Tabak-Atlas’ Daten, Trends und gesetzgeberische Empfehlungen liefern soll. Die Partei Die Linke warf Mortler eine enttäuschende Bilanz in der zu Ende gehenden Legislaturperiode vor. „Seit ihrem Amtsantritt ist die Zahl der Toten durch illegale Drogen um 30 Prozent gestiegen“, sagte Linken-Fraktionsvize Frank Tempel. Wie Mortler schon vor einigen Wochen mitgeteilt hatte, war 2016 die Anzahl der Drogentoten in Deutschland zum vierten Mal in Folge gestiegen. Im vergangenen Jahr starben bundesweit 1333 Menschen, weil sie illegale Substanzen wie Heroin, Kokain oder Crack konsumierten. Das waren neun Prozent mehr als im Vorjahr. Kommentar

x