Politik Ditib wehrt sich gegen Kritik

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Mit einer großen Friedensdemo wollen Muslime heute in Köln ein Zeichen gegen Gewalt und Terrorismus setzen. Nicht mit dabei ist der größte deutsche Islamverband, die Ditib. Spitzenpolitiker bedauern dies oder kritisieren es gar.

Zu der Kundgebung „Nicht mit uns“ haben prominente Muslime aufgerufen. Sie reagieren auf die jüngsten Attentate radikalislamischer Terroristen in Manchester und London. Zu den Initiatoren der Demo zählen die liberale Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor und der Friedensaktivist Tarek Mohamad. Sie rechnen mit bis zu 10.000 Teilnehmern. Ditib-Generalsekretär Bekir Alboğa hatte zunächst die Initiative begrüßt. Wenn sie dazu beitrage, dass künftig besser wahrgenommen würde, wie klar und regelmäßig sich die Muslime in Deutschland vom Terror distanzierten, „wäre ich sehr glücklich“, sagte Alboğa zu Wochenbeginn. Ditib hatte seit Mai fünfmal Terroranschläge verurteilt, auch den Londoner. Der Ditib-Bundesvorstand entschied dann aber am Mittwoch gegen eine offizielle Beteiligung. „Öffentlich wirksame Aktionen begrüßen wir, lehnen jedoch die Art und Weise, wie dieser Marsch organisiert wurde, ab“, so eine Stellungnahme der Ditib, die in Köln ihren Sitz hat und mit mehr als 900 Moscheegemeinden die größte Muslimenvertretung in Deutschland ist. Man sei nicht einbezogen worden, auch verbiete sich ein Marsch in der Mittagssonne mitten im Fastenmonat Ramadan. Zum Hintergrund des Streits um die Demo gehört, dass Ditib und andere etablierte, ebenfalls eher konservative Islamvertretungen wie der Zentralrat der Muslime Wert darauf legen, führende Stimme in Islamfragen zu sein. Der von Aiman Mazyek angeführte Zentralrat nimmt an der Kölner Demo teil. Lamya Kaddor versucht, ihren Liberal-Islamischen Bund zu profilieren. Die der türkischen Regierung nahestehende Ditib unterstellt den Initiatoren des Friedensmarsches jedenfalls „Effekthascherei“. Wie viele der vier Millionen Muslime überhaupt von den verschiedenen Islamverbänden vertreten werden, ist unklar. Schätzungen schwanken von zehn bis 25 Prozent. Statt heute in Köln mitzumarschieren, gab es gestern in Ditib-Moscheen ein Bittgebet gegen den Terror und für den Frieden. Dennoch drückten deutsche Spitzenpolitiker reflexartig ihre Enttäuschung aus. Dass Ditib heute in Köln nicht teilnehmen wolle, sei „einfach schade“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert im Namen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Integrationsbeauftragte Aydan Özoğuz (SPD) mahnte gar: Ditib „droht vollends seine Glaubwürdigkeit zu verspielen“. Sie spielt damit auf die Affäre um Imame an, die im Verdacht stehen, in Ditib-Gemeinden für Ankara gespitzelt zu haben.

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