Meinung
Die Taliban sind und bleiben militante Islamisten
Bundesaußenminister Heiko Maas liegt falsch: Die Wiedereröffnung der deutschen Botschaft in Kabul ist mehr als nur eine Sicherheitsfrage. Sie käme einer völkerrechtlichen Anerkennung der Taliban gleich. Ein Kontaktbüro wäre eine Alternative – oder die Kooperation mit einem alliierten Staat, der vor Ort vertreten ist. Am besten bleibt bis auf Weiteres, den Gesprächsfaden mit den Taliban über die deutsche Botschaft in Katar weiterzuspinnen.
Welch Geistes Kind diese militanten Islamisten sind, haben die Taliban leider am Wochenende wieder bewiesen. Mitten in Kabul haben sie eine Gruppe von Frauen brutal geprügelt, weil diese knapp 100 Afghaninnen es wagten, für ihre Rechte zu demonstrieren. Zudem häufen sich Berichte über Morde an Taliban-Gegnern in den Provinzen.
Und die Rebellen?
Die Ausreise weiterer Ortskräfte der Deutschen wird wohl ohne schmutzige Händel nicht zu bekommen sein, aber die volle Anerkennung und die Fortsetzung der Entwicklungshilfe sind Druckmittel, die man nicht so aus der Hand gibt. Hinzu kommt: Wer die Taliban jetzt anerkennt, sagt damit auch, dass die im Pandschirtal verschanzten Rebellen keine Legitimität besitzen. Zum Widerstand gehört immerhin der frühere Vizepräsident Saleh.
Mit dem Abzug der Nato-Truppen ist ein Vakuum entstanden, das wie in den 90er Jahren in einen Bürgerkrieg münden kann. Damals war die Sowjetunion abgezogen. Damit jetzt wenigstens die Versorgung der Bevölkerung mit dem Lebenswichtigsten gewährleistet bleibt, muss die internationale Gemeinschaft zuallererst den Betrieb des Flughafens von Kabul ermöglichen. Eine humanitäre Katastrophe droht! Im Zweifel wird es auch eine UN-Schutztruppe für den Airport brauchen.