Ukraine
Die Russen bombardieren sich selbst
Am Donnerstag schlug eine schwere russische Fliegerbombe in der südwestrussischen Stadt Belgorod ein. Die Ukrainer reagierten mit Spott. Die russische Besatzungsarmee setze den Beschuss eigener Städte fort, twitterte Oleksyj Danilow, Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrates. Das russische Verteidigungsministerium bestätigte den „außerplanmäßigen Abwurf von Luftkampfmunition“ beim Flug eines Su-34-Kampfbombers über einem Wohngebiet von Belgorod. Eine Ermittlung sei im Gange.
Die Explosion der Sprengbombe gegen 22 Uhr Ortszeit an einer Straßenkreuzung im Wohnbezirk Charkowskaja Gora riss nach Angaben von Gebietsgouverneur Wjatscheslaw Gladkow einen „gewaltigen Trichter mit einem Radius von 20 Metern“ in Asphalt- und Grünflächen. Zwei Menschen wurden verletzt, vier Wohnungen und mehrere Autos schwer beschädigt, ein Pkw landete auf dem Dach eines Supermarktes. Experten nannten es nur einen Zufall, dass es keine Tote gab.
Kaputte Elektronik?
Die Gründe für den Fehlabwurf sind unklar. Ein ehemaliger Kampfpilot spekulierte gegenüber der Zeitung „Moskowskij Komsomoljez“ anonym darüber, ob der Absturz der Bombe mit überstarken Fliehkräften während eines Flugmanövers zusammenhänge. Aber auch die Elektronik müsse geprüft werden.
Der russische Telegramkanal „Woennyj Oswedomitel“ schließt nicht aus, dass es sich bei der Bombe um eine modernisierte Gleitsprengbombe vom Typ FAB-500M62 handeln könnte. Russischen Medien zufolge ist dieser Halbtonner erst seit wenigen Wochen im Einsatz, nach seinem Abwurf kann er noch bis zu 40 Kilometer zurücklegen. „Ein Angriff mit den mächtigsten Bomben gegen die ukrainischen Streitkräfte in Bachmut wurde zum Horrorsignal für Kiew“, titelte die Zeitung „Moskowskij Komsomoljez“ noch am Dienstag.
Aber offenbar trifft nicht jede dieser „Präzisions“-Bomben das Ziel. Russische Militärblogger haben berichtet, bereits am 12. März sei ein Blindgänger auf einer Straße in der von russischen Truppen kontrollierten Großstadt Donezk gefunden worden. Der für seine beißende Kritik an der militärischen Führung bekannte russische Ex-Geheimdienstler Igor Strelkow wiederum schrieb auf Telegram: Hoffentlich sei der Grund eine technische Panne gewesen – und nicht die Tatsache, dass jemand einfach zwei Städte miteinander verwechselt habe.