US-Wahlkampf RHEINPFALZ Plus Artikel Die Kulisse ist die Botschaft: Wie Trump sich als Amerikas Retter inszenierte

Joe Biden? Donald Trump nennt seinen Kontrahenten einen „Zerstörer amerikanischer Großartigkeit“.
Joe Biden? Donald Trump nennt seinen Kontrahenten einen »Zerstörer amerikanischer Großartigkeit«.

Der Parteitag der US-Republikaner, der Donald Trump offiziell zum Präsidentschaftskandidaten für die Wahl am 3. November gekürt hat, ist Geschichte. Er war eine Show, die nur wenig mit der Politik zu tun hatte, für die Trump seit dreieinhalb Jahren steht. Es wurde verschwiegen, was nicht in die Wahlkampfstrategie passt, viel behauptet und düster attackiert.

War da was? Die USA sind in einer epochalen Krise: 180.000 Corona-Tote seit März, allein am Donnerstag waren es 1127 – gleichzeitig wurden 45.000 Neuinfektionen registriert. Und doch: Am Donnerstagabend, als US-Präsident Donald Trump den Parteitag seiner Republikaner-Partei mit einer mehr als 70 Minuten langen Rede vor dem Weißen Haus beendete, sollte allein schon die Optik so etwas wie eine triumphale Rückkehr zur Normalität vermitteln. Von den 1500 geladenen Gästen trug kaum einer eine Maske. Abstandsregeln? Die Leute saßen Schulter an Schulter. Hinterher sang ein Opernsänger „Halleluja!“. Auf dem Planeten Trump ist Corona bereits Geschichte, quasi ein Vorgeplänkel zu noch großartigeren Taten des 45. US-Staatschefs.

So ähnlich hatte es am Montag schon Kimberly Guilfoyle gesagt, genauer: herausgeschrien. Guilfoyle, früher beim Sender Fox News beschäftigt, ist mit Donald Trump Junior liiert, dem ältesten Sohn des Präsidenten. Sie stellte sich an ein Pult und rief am Ende sehr, sehr lautstark in die Halle, in der sich außer Kameraleuten und Tontechnikern kein Mensch befand, das Beste komme erst noch: „The best! Is still! To come!“.

Alles für die Fernsehshow

Das Mellon Auditorium ist einer dieser Säulenpaläste an der National Mall, der Prachtmeile Washingtons, die an das alte Rom oder das antike Athen denken lassen. Trump hatte ihn ausgewählt, um der bescheidenen Bühne in einer abgedunkelten Kongresshalle, in der Biden in der Woche zuvor aufgetreten war, etwas Prächtiges entgegenzusetzen. Trump versteht sich auf Kulissen, als Star der Reality-TV-Serie „The Apprentice“ versteht er etwas von Inszenierung.

Der Präsident, das konnte man Abend für Abend sehen, will auf keinen Fall nur der Champion weißer Männer sein, zum Beispiel der Malocher im deindustrialisierten Rust Belt, deren Abstiegsängste er sich 2016 zunutze machte. Er will auch schwarze und braune Amerikaner ansprechen, außerdem Frauen, unabhängig von ihrer Hautfarbe, und obendrein Einwanderer. Eben Leute, die er, bisher immer wieder vor dem Kopf stieß.

Einwanderer werden überrascht

Am deutlichsten wurde das am Dienstag, als Trump überraschend das Zepter einer Einbürgerungszeremonie übernahm. Von den fünf Neubürgern, die in seinem Beisein den USA die Treue schworen, stammten zwei aus Staaten, die Trump unter dem Sammelbegriff „Drecksloch-Länder“ beleidigt hat. Aus Ghana und dem Sudan, während die anderen aus Bolivien, dem Libanon und Indien immigriert waren. Neimat Awadelseid, die Sudanesin, erzählte hinterher, sie habe erst wenige Minuten zuvor erfahren, dass der Präsident erscheinen würde. Und dass ein Video der Feier auf dem Parteitag gezeigt würde, habe ihr keiner gesagt.

So wie die Demokraten bei ihrem Parteitag Republikaner reden ließen, um zu zeigen, dass sie für Konservative wählbar seien, bot Trump verschiedene afroamerikanische Fürsprecher auf. Er habe im Laufe seines Lebens oft genug Erfahrungen mit Rassismus machen müssen, sagte ein ehemaliger Footballprofi namens Herschel Walker, deswegen wisse er eines ganz genau: „Donald Trump ist kein Rassist“.

Zum Schluss die Abteilung Attacke

Am Donnerstag schließlich unternahm Trumps Lieblingstochter Ivanka den Versuch, ihren Vater all jenen zu erklären, die sich an seinen täglichen Twitter-Tiraden reiben. Sein Kommunikationsstil, räumte sie ein, sei sicher nicht jedermanns Geschmack, seine Tweets kämen manchmal ziemlich ungefiltert daher. „Aber die Ergebnisse. Die Ergebnisse sprechen für sich.“ Der Schein trüge, sollte das heißen. Der Papa sei nun mal ein ungeduldiger Praktiker, dem bisweilen der Geduldsfaden reiße.

Trumps Rede zum Schluss hat jedoch das Ansinnen, sein Image zu glätten, wieder konterkariert. Neben Eigenlob ging es allein um die düstere Warnung vor dem politischen Gegner. Biden behaupte, er sei ein Verbündeter des Lichts, doch was seine Agenda angehe, so lasse er die Wähler im Dunkeln tappen, sagte der Präsident. Unter einem Präsidenten Biden, so Trump, würden die Polizeikräfte kaputtgespart, wenn nicht aufgelöst, die Steuern dramatisch erhöht, Städte und Vorortsiedlungen der Anarchie preisgegeben: „Joe Biden ist nicht der Retter von Amerikas Seele. Er ist der Zerstörer amerikanischer Jobs, und wenn er die Chance bekommt, wird er der Zerstörer amerikanischer Großartigkeit sein.“

Zum Weiterlesen: Leitartikel „Im Trump-Universum“

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