Politik Die gute alte Erderwärmung

Nach einer Runde Golf in West Palm Beach, Florida, sitzt US-Präsident Donald Trump mit seinem Handy im Auto.
Nach einer Runde Golf in West Palm Beach, Florida, sitzt US-Präsident Donald Trump mit seinem Handy im Auto.
Donald Trump

hat sich gestern mal wieder per Twitter über den Klimawandel lustig gemacht. Das macht er öfter. Laut der Internetseite trumptwitterarchive.com ließ er sich seit seinem Amtsantritt im Januar bereits 15 Mal beim Kurznachrichtendienst über das komplexe Thema aus: „teurer Schwindel!“, „ blöde!“, „bullshit!“, „Erfindung der Chinesen!“. Diesmal reagierte Trump auf den Kälteeinbruch im Norden der USA. „Im Osten könnte es der kälteste jemals registrierte Silvesterabend werden“, schrieb er. „Vielleicht könnten wir ein bisschen von dieser guten alten Erderwärmung gebrauchen, für die unser Land, aber nicht andere Länder, Billionen von Dollar zahlen sollte, um sich davor zu schützen. Zieht Euch warm an.“ So ein Bullshit! Vielleicht sollten die Deutschen Trump einladen, Silvester bei ihnen zu feiern? Denn hierzulande wird es an vielen Orten mit bis zu 15 Grad Celsius extrem mild. Wetter sollte eben niemand mit Klima verwechseln. Klima ist der Temperaturverlauf über Jahrzehnte, Jahrhunderte. Auch sollte man sich davor hüten, von einem Punkt der Erde aufs Weltgeschehen schließen zu wollen. Was auch im übertragenen, im politischen Sinne gilt. So verfolgt Trump radikal den Kurs „America first!“. In einer Zeit, in der Konflikte und Krisen (genau wie der Klimawandel) schnell globale Auswirkungen haben und ohne genauen Anfang und klares Ende sind, ist dieses Denken jedoch veraltet. Zufällig hat sich gestern nicht nur Trump, sondern auch der Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, Volker Perthes, zu den USA geäußert. Die Konzentration der US-Amerikaner auf sich selbst werde in den Verlust ihres globalen Führungsanspruchs münden, analysierte er. Weil Lösungen für Probleme nun eben ohne sie gesucht würden. In den USA gibt sich Trump dennoch überzeugt, dass er 2020 wiedergewählt wird. Ein Grund sei: „Die Zeitungen, das Fernsehen, alle Arten von Medien werden untergehen, wenn ich nicht da bin, denn ohne mich werden ihre Einschaltquoten den Bach hinuntergehen.“ Ist es also falsch, über seinen Klima-Tweet zu berichten? Aber nicht zu berichten, ist doch auch Bullshit.

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