Politik Die Clan-Chefin

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Barbara Bush, die First Lady der USA in den frühen 90er Jahren, hat nie ein Hehl aus ihrem sehr traditionellen Rollenverständnis gemacht. In manchen Fragen dachte sie allerdings fortschrittlicher, als sie öffentlich zugeben wollte. In die Chronik geht sie ein als die zweite Frau der amerikanischen Geschichte, die sowohl Gattin (George Bush, Amtszeit 1989 bis 1993) als auch Mutter eines Präsidenten (George W. Bush, 2001 bis 2009) gewesen ist. Die Matriarchin, die „Oma der Nation“, Amerikas „Queen Mum“: Es mangelte nicht an Attributen, die Barbara Pierce Bush auf eine sehr traditionelle Rolle festlegten. Allein mit ihrem Haar, vor der Zeit weiß geworden und stets dauergewellt, wirkte sie schon großmütterlich, als ihr Mann George 1980 im Schatten Ronald Reagans zum Vizepräsidenten gewählt wurde, bevor er schließlich selbst ins Weiße Haus zog. Sie selber hat den Part der konventionellen First Lady, die sich angeblich kaum um Politik kümmerte, dafür umso mehr um die Familie, ohne Abstriche gespielt. Misst man sie an ihrer Nachfolgerin Hillary Clinton, die zweimal selbst fürs höchste Staatsamt kandidierte, vergleicht man sie mit der Wahlkämpferin Michelle Obama, liegt es auf der Hand, Barbara Bush eine First Lady alter Schule zu nennen. Nur: Das war Schule mit Biss. So applaudierte sie beispielsweise schwarzen Bürgerrechtlern, als das in konservativen Kreisen keine Selbstverständlichkeit war. Ihre Pressesekretärin im Weißen Haus war die erste Afroamerikanerin auf diesem Posten. Das Abtreibungsrecht soll sie frühzeitig befürwortet haben, auch wenn sie sich nicht dazu bekannte. Gestern ist Barbara Bush 92-jährig gestorben.

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