Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel DFB: Jeder gegen jeden

Fritz Keller stand seit 2019 an der Spitze des DFB.
Fritz Keller stand seit 2019 an der Spitze des DFB.

Der Rücktritt von Fritz Keller, dem Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes, war unausweichlich. Die Krise ist nach seinem Ausscheiden noch lange nicht vorbei.

Gestern also. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes ist – wie angekündigt – zurückgetreten. Dieser Schritt war unausweichlich und zwingend geboten. Der Druck war zu groß, auch von den Medien. Fritz Keller nutzte seinen Abschied zu einer weitreichenden Kritik, sieht sich als Opfer. Keller, dem Aufklärer, wurden ständig Steine in den Weg gelegt, so seine Darstellung. Das mag sein. Und desolat ist sicher das richtige Wort für den Zustand des Verbandes.

Keller scheiterte letztlich daran, dass er den ebenfalls umstrittenen 1. Vizepräsidenten Rainer Koch in einer Präsidiumssitzung als „Freisler“ bezeichnete. Roland Freisler war während des Nationalsozialismus Vorsitzender des Volksgerichtshofes. Keller entschuldigte sich, schrieb Briefe, machte Charlotte Knobloch, der Präsidentin der Israelischen Kultusgemeinde München, seine Aufwartung – das alles war vergebens. Dem 64-Jährigen war klar, was für einen unglaublichen Fehler er gemacht hat. Er hat sich selbst rausgekegelt.

Die kleinen Vereine fühlten sich im Stich gelassen

Es ist doch so: Wir alle wünschen uns einen besonnenen, klugen, reflektierten Präsidenten. Keller war das nicht, als er sich in der Sitzung zu diesem üblen Vergleich hinreißen ließ. Er lief seinen Kontrahenten ins offene Messer. Schon länger waren die Zustände im weltgrößten Sportfachverband grenzwertig. Keller auf der einen Seite, die Herren Rainer Koch, Stephan Osnabrügge und Friedrich Curtius auf der anderen – es war nur eine Frage der Zeit, wann es zum großen Knall kommt.

Dass es so böse endet, schadet dem Ansehen Kellers, seiner Antipoden und dem Deutschen Fußball-Bund. Keller startete 2019 ganz passabel, zunehmend verrannte er sich, er war zu sehr mit internen Vorgängen beschäftigt und verlor das große Ganze aus den Augen. Den vielen kleinen Fußballvereinen war er seit Beginn der Corona-Krise keine Hilfe. Sie fühlten sich im Stich gelassen.

Vielleicht wäre Philipp Lahm ein passender Nachfolger

Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Sommermärchen 2006, eine Steuerrazzia, eine ominöse Beratergeschichte – willkommen im Tollhaus DFB. Andere Präsidenten hatten andere Belastungen. Denken wird nur einmal an die Zeit von Theo Zwanziger zurück, der gleich mit der Betrugsaffäre um Schiedsrichter Robert Hoyzer konfrontiert war und später die richtigen Worte bei der Trauerfeier von Robert Enke zu finden hatte. Der Torhüter setzte sein Leben selbst ein Ende.

Es gibt Mutmaßungen, das Amt des DFB-Präsidenten sei mittlerweile zu groß für nur eine Person. Aber: Alle DFB-Präsidenten scheiterten jüngst an einem menschlichen Makel. Am Führungsstil, am Vertuschen, an Geschenken. So nahm Reinhard Grindel naiverweise die Luxusuhr eines russischen Oligarchen an. Nein, das Amt ist nicht zu groß, aber es bedarf einer Persönlichkeit, die es auszufüllen imstande ist. Der DFB steht vor immensen Herausforderungen. 2024 ist die EM in Deutschland. Eines der wichtigsten Themen ist sicher, den neuen Grundlagenvertrag zu fixieren, der die Geldströme zwischen der Deutschen Fußball-Liga und dem DFB regelt. Wie tief die Gräben sind, verdeutlicht gerade der Streit zwischen Rainer Koch und Christian Seifert, dem DFL-Boss.

Nun also ein Neuanfang. Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß, Rudi Völler – fast alle Kandidaten, die bislang ins Spiel gebracht wurden, passen nicht. Sie würden sich schwer tun beim Spagat zwischen Profis und Amateuren. Vielleicht wäre Philipp Lahm einer. Genauso wichtig, wie einen neuen Präsidenten aufzuspüren, ist es, Partner zu finden, die dem Boss das präsidiale Leben erleichtern, die loyal sind, vertrauenswürdig. Diese Krise ist noch lange nicht zu Ende.

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