Ukraine-Krieg RHEINPFALZ Plus Artikel Deutschland liefert Kiew hochmodernes Flugabwehrsystem

Auch gegen solche russischen Raketen, abgefeuert von einem Mehrfachraketenwerfer, soll das Abwehrsystem helfen.
Auch gegen solche russischen Raketen, abgefeuert von einem Mehrfachraketenwerfer, soll das Abwehrsystem helfen.

Deutschland hat ein Flugabwehrsystem vom Typ Iris-T SLM an die Ukraine geliefert, drei weitere sollen folgen. Das bestätigte Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD).

Deutschland will Kiew zunächst vier der jeweils 140 Millionen Euro teuren Systeme des bodengestützten Typs von Iris-T zur Verfügung stellen, die Finanzierung von drei weiteren ist gesichert. Der genaue Zeitpunkt wird auch davon abhängen, ob Ägypten einer späteren Auslieferung seiner schon erfolgten Bestellung zustimmt. In der Bundeswehr selbst soll das bodengebundene System erst von 2025 an eingeführt werden. Solche „hochkomplexen, hochmodernen Systeme“ wie Iris-T SLM seien aufwendig herzustellen, betonte Lambrecht. „Da bin ich auf die Industrie angewiesen, dass dort auch ein bisschen schneller produziert wird.“

Iris-T SLM besteht aus mehreren Komponenten: Radaranlage, Gefechtsstand und drei auf Lastwagen montierten Raketenwerfern. Eines dieser Systeme kann eine mittlere Großstadt wie Nürnberg oder Hannover schützen. Es kann auf Ziele bis 20 Kilometer Flughöhe und 40 Kilometer Reichweite feuern. So wird eine Art Schutzschirm über einer Fläche gespannt. „Besonders die bodengebundene Luftverteidigung ist in der Lage, Räume über längere Zeit dauerhaft zu schützen“, schreibt der Hersteller Diehl Defence mit Sitz in Überlingen am Bodensee.

Der Suchkopf spricht auf Wärme an

Das System feuert eine oder mehrere Raketen zur Abwehr von Hubschraubern, Flugzeugen sowie Marschflugkörpern und Raketen ab. Das Radar ermittelt die Richtung des Angriffs; am Schluss des Anflugs übernimmt der auf Wärmestrahlung reagierende Suchkopf der Rakete. Die Systeme werden jeweils von 30 bis 40 Soldaten bedient. Die Entscheidung zum Abschuss wird von einem Feuerleitoffizier ausgeführt. Das Flugabwehrsystem ist mobil und kann seinen Standort schnell wechseln, wenn es vom Gegner ausgekundschaftet wurde.

Einen 100-prozentigen Schutz gibt es jedoch nicht. So können Täuschkörper eine einzelne Rakete ablenken oder eine Überzahl angreifender Objekte die Sensoren oder das ganze System zahlenmäßig überfordern.

Ukrainische Soldaten wurden in Deutschland bereits an dem Waffensystem ausgebildet. Die Industrie übernahm die technische Betreuung, Spezialisten der Luftwaffe das taktische Training.

Bundeswehr kauft in Israel zu

Deutschland arbeitet auch selbst am Ausbau der Abwehr im eigenen Luftraum und entlang der Nato-Ostflanke. In diesem Zusammenhang steht ein Rüstungsgeschäft mit Israel offenbar kurz vor dem Abschluss. Dabei geht es um den Kauf des Systems Arrow 3. Dieses bildet die höchste Stufe von Israels mehrstufiger Raketenabwehr und kann angreifende Waffensysteme bis über 100 Kilometer Höhe außerhalb der Atmosphäre im beginnenden Weltraum zerstören.

Zuletzt stand eine Zustimmung der USA – die den „Motor“ dieser ansonsten weitgehend israelischen Entwicklung liefern – für das Geschäft aus. Beobachtet wird, ob die USA womöglich aufgrund eigener industriepolitischer Interessen auf der Bremse stehen und somit verhindern, dass eine militärische Lücke in Europa geschlossen wird.

poliluftabwehr
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