Politik RHEINPFALZ Plus Artikel Der Pfalz fehlen Lehrlinge

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Eine Ausbildung in Industrie und Handwerk in der Region bietet große Chancen: Die meisten Lehrlinge werden übernommen. Auch junge Flüchtlinge fassen immer besser auf dem Arbeitsmarkt Fuß, wenngleich auch hier nicht immer alles reibungslos klappt.

Wer heute in Rheinland-Pfalz die Schule verlässt und kein Studium, sondern eine Ausbildung in der Industrie oder im Handwerk anstrebt, hat bessere Karten denn je. Es gibt mehr Stellen als Bewerber, vor allem in der Vorderpfalz. Über 26.200 Ausbildungsverträge wurden im vorigen Jahr in Rheinland-Pfalz zwischen Betrieben und Schulabsolventen geschlossen, etwas mehr als im Jahr davor. Im gesamten Bundesgebiet war der Anstieg an neuen Ausbildungsverträgen höher als in Rheinland-Pfalz. Während im Land das Plus 0,2 Prozent betrug, lag es deutschlandweit bei 1,6 Prozent. Gleichzeitig wird es für Unternehmen schwieriger, ihre angebotenen Plätze zu besetzen. Zum Jahresende standen bundesweit 71.500 offene Stellen 66.700 unversorgten Bewerbern gegenüber. Das macht 93,3 gemeldete Bewerber auf 100 gemeldete Ausbildungsstellen. Rheinland-Pfalz liegt damit fast exakt im Bundesdurchschnitt. Hier lautet die Quote 92 Bewerber auf 100 gemeldete Stellen. Oder aus Sicht der Jugendlichen: Pro 100 Bewerber gab es rechnerisch 109 Stellen.

Erhebliche Lücken im Handwerk

„Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist in Rheinland-Pfalz der Ausbildungsmarkt noch recht ausgeglichen“, beschreibt der Präsident der Landesvereinigung der Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz (LVU), Gerhard F. Braun (Enkenbach-Alsenborn), die Lage. „Dennoch gilt auch bei uns: In einzelnen Regionen und Ausbildungsberufen fällt es Unternehmen schwer, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Besonders viele offene Stellen gab es im Einzelhandel und im Handwerk.“ Erhebliche Lücken werden aus folgenden Berufen gemeldet: Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk, Fleischer, Bäcker, Klempner, Restaurantfachleute oder Gerüstbauer. Nach den Zahlen des Berufsbildungsberichts, der gestern in Berlin vorgestellt wurde, kommen in Rheinland-Pfalz über die Hälfte der Azubis in Industrie und Handel unter. Das entspricht weitgehend dem Bundesdurchschnitt. Ein Drittel fand eine Ausbildungsstelle im Handwerk, der Rest verteilt sich auf die Freien Berufe, den Öffentlichen Dienst, die Landwirtschaft und die Hauswirtschaft. Probleme mit der Besetzung von Ausbildungsplätzen haben vor allem Kleinstbetriebe. So liegt dort der Anteil von offenen Stellen für Azubis bei 53 Prozent, bei Großbetrieben sind es nur 24 Prozent. LVU-Präsident Braun wünscht sich aufseiten der Bewerber mehr Flexibilität: „Das gilt räumlich, aber auch für den Wunschberuf. Hier ist die Berufsorientierung gefordert, denn nach wie vor kennen Schulabgänger nur wenige der mehr als 300 Ausbildungsberufe.“

Flüchtlinge fassen besser Fuß auf dem Arbeitsmarkt

Auf der Liste der häufigsten von jungen Frauen besetzten Berufe steht an erster Stelle die Kauffrau für Büromanagement. Es folgen die medizinische sowie die zahnmedizinische Fachangestellte. Bei den Männern ist der Kraftfahrzeugmechaniker die Nummer eins, gefolgt vom Elektroniker und dem Fachinformatiker. Die guten Chancen für eine Ausbildung spiegeln sich auch in der Entwicklung der Auszubildenden aus Flüchtlingsfamilien. Rund 14.000 Bewerbungen aus diesem Kreis waren im vorigen Jahr bundesweit erfolgreich, 2016 waren es noch 10.000. Flüchtlinge würden immer besser auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen, ist auch LVU-Präsident Braun überzeugt. 2018 haben in Rheinland-Pfalz fast 2000 Flüchtlinge eine Ausbildung begonnen. Ein Zuwachs von mehr als zehn Prozent im Vorjahresvergleich. Braun bedauert allerdings, dass sich oftmals die schlechten Deutschkenntnisse als Hemmnis erweisen, um insbesondere die Berufsschule erfolgreich abzuschließen.

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