China RHEINPFALZ Plus Artikel Der Nachhilfesektor wird zerschlagen

Harter Kampf um einen Studienplatz: Studenten in Shanghai.
Harter Kampf um einen Studienplatz: Studenten in Shanghai.

Wenn Chinas Aufsichtsbehörden eine Branche ins Visier nehmen, regulieren sie meist mit dem sprichwörtlichen Vorschlaghammer: Nach Fintech-Firmen und Online-Fahrdienstvermittlern trifft es nun den boomenden Markt für Nachhilfe. Experten sprechen gar von einer regelrechten „Hinrichtung“ des Wirtschaftszweigs.

Künftig ist die Nachhilfe für Schüler während der Ferien und Wochenenden grundsätzlich verboten. Vor allem aber dürfen Anbieter mit außerschulischer Bildung kein Geschäft mehr machen. Sämtliche bestehende Konzerne müssen sich als „gemeinnützig“ registrieren lassen. Die Kurse fast aller Aktien chinesischer Bildungskonzerne, die in den USA gehandelt werden, fielen daraufhin um 90 Prozent oder mehr. Chinas Nachhilfesektor zählte zu den am schnellsten wachsenden Branchen mit einem gesamten Marktwert von bis zu 300 Milliarden Dollar.

Motiviert vom demografischen Wandel

Die getroffenen Maßnahmen sind radikal. Doch gleichzeitig greifen sie ein gesellschaftliches Problem mit weitreichenden Folgen auf. Der Lebensweg junger Chinesen entscheidet sich maßgeblich beim Gaokao, der Universitätseingangsprüfung, die jeder Oberschüler absolvieren muss. Wer den mehrtägigen Test mit einer guten Note abschließt, kann auf eine Einschreibung an einer der renommierten Unis in Peking oder Shanghai hoffen. Daran sind, neben einer guten Ausbildung, auch nachhaltige Karrierenetzwerke sowie der Zugang zum Sozialsystem geknüpft.

Dementsprechend groß ist der Konkurrenzkampf um die begehrten Uniplätze. Ehrgeizige Eltern investieren ihr Erspartes, um ihren Zöglingen einen Startvorteil zu verschaffen. Vor allem aber bestimmt das Einkommen der Eltern im modernen China immer stärker über die Bildungschancen der nächsten Generation.

Bei der Regulierung geht es nicht nur um politische Kontrolle, sondern auch um langfristiges Wirtschaftswachstum. Denn laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua werden die neuen Regeln mit dem demografischen Wandel begründet: Der finanzielle Druck junger Eltern, der vor allem in den hohen Bildungskosten wurzelt, sei die größte Hürde, um mehr als ein Kind großziehen zu wollen. Und die niedrigen Geburtenraten wertet Pekings Staatsführung als die größte Bedrohung für den ökonomischen Aufstieg der Volksrepublik.

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