China
Neuer Botschafter in USA: Karrierediplomat mit Streitlust
Nachdem Qin Gang, Chinas künftiger Botschafter in Washington, am Mittwoch amerikanischen Boden betrat, fand er noch versöhnliche Worte: Beide Länder sollten sich „mit gegenseitigem Respekt“ behandeln und eine „friedliche Koexistenz“ anstreben. Doch schon bald wird es mit der wohlwollenden Rhetorik vorbei sein. Der 55-Jährige tritt schließlich nicht nur den wichtigsten Botschaftsposten an, sondern auch den herausforderndsten. Qin Gangs Rolle wird es sein, Chinas neu gewonnenes Selbstbewusstsein gegen die Vereinigten Staaten zu verkörpern. Dort sitzt mit Joe Biden ein Präsident im Weißen Haus, den Peking mindestens ebenso feindlich gesinnt einschätzt wie seinen Vorgänger Donald Trump.
Kurzer Draht zu Staatschef Xi
Dass Qin nun Botschafter wird, ist eine ziemliche Überraschung. Sein Name tauchte in der Gerüchteküche nicht einmal am Rande auf. Das hat vor allem damit zu tun, dass Qin über keine signifikante US-Expertise oder ein reichhaltiges Netzwerk in Washington verfügt. Er ist vor allem als klassischer Karrierediplomat zu beschreiben. 1966 in der Ostküstenstadt Tianjin geboren, absolvierte er in Peking die Universität für Internationale Beziehungen. 1988 heuerte Qin beim Außenministerium an, dessen hierarchische Stufen er rasch erklomm.
Seine große Stärke ist der kurze Draht zu Staatschef Xi Jinping, den er während mehrerer Staatsbesuche begleitete. Als ehemaliger Sprecher des Außenministeriums hat er sich unter Pekings Korrespondenten einen Namen als „harter Knochen“ gemacht. Denn seine Antworten bei den täglichen Briefings waren direkt und hart in der Sache.
Ob Qin eher souverän oder kleingeistig auftritt, darüber gibt es unterschiedliche Auskünfte. 2008 sorgte die amerikanische Rockband Guns n’ Roses für eine Kontroverse, nachdem sie ihr Album „Chinese Democracy“ nannten. Qin entgegnete daraufhin, dass „viele Leute diese Art von Musik nicht mögen“. Sie sei viel zu „laut und lärmend“.
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