Politik
Der Grüne und sein Rucksack: Neuer Bundestagsabgeordneter sorgt für Aufsehen
Für Timon Dzienus begann seine erste Legislaturperiode im Bundestag mit Fahrtwind. Der 28-jährige Grünen-Politiker reiste am Tag vor der Kanzlerwahl im ICE nach Berlin und teilte dazu seinen Followern auf den sozialen Medien noch gleich sein geplantes Abstimmungsverhalten mit: „Mit 300 km/h auf dem Weg nach Berlin, um gegen Friedrich Merz als Kanzler zu stimmen!“.
Dass er am folgenden Tag gleich mehrfach ins Rampenlicht rücken würde, hatte Dzienus wohl nicht erwartet. Als Neuling im Parlament geht man für gewöhnlich erst mal in der Masse unter. Doch die mediale Unauffälligkeit war bei Dzienus derart ausgeprägt, dass ihn die Phoenix-Moderatoren bei einer Liveschalte nicht einmal zuordnen konnten, als er in der Ungewissheit zwischen den Wahlgängen von der Kamera eingefangen wurde.
Da saß er nun – allein, Handy in der Hand, roter Pullover um die Schultern und mit einem mächtigen Rucksack auf dem Rücken. Die Kommentatoren rätselten gleich mal drauflos: Hatte er Proviant für eine lange Nacht dabei? Oder gar einen Schlafsack, um im Plenarsaal zu campieren? Wie hatte er diesen großen Rucksack überhaupt in den Plenarsaal bekommen? Diese ganzen Fragen konnten die Moderatoren nicht klären. Dass es sich um einen Grünen-Politiker handeln müsse, konnte allerdings nach kurzer Zeit aufgeklärt werden.
Regelverstoß am ersten Tag?
Diese lustige Randnotiz eines historischen Tages verbreitete sich natürlich rasant im Netz. Doch Dzienus blieb nicht lange nur der „Typ mit dem Rucksack“. Nach dem ersten Wahlgang postete er ein Selfie mit seinem Wahlausweis und schrieb dazu: „Gerade gegen Friedrich Merz gestimmt“. Die Bildzeitung reagierte schnell und behauptete, Dzienus hätte seinen Stimmzettel veröffentlicht. Ein klarer Regelverstoß, der eine saftige Ordnungsgeldstrafe nach sich gezogen hätte. Die Zeitung glaubte, die ungültige Stimmabgabe beim ersten Wahlgang damit gefunden zu haben, schließlich habe der ja seinen Stimmzettel veröffentlicht und damit ungültig gemacht.
Dzienus widersprach dieser Theorie umgehend in den sozialen Medien und behielt Recht, denn Bilder mit dem Wahlausweis sind erlaubt. Die „Bild“ musste den Artikel löschen. Damit verdiente sich Dzienus am ersten Arbeitstag schon eine lustige Internet-Geschichte und einen kleinen, aber kurzlebigen Skandal. Damit dürften ihn die Phoenix-Moderatoren das nächste Mal sicherlich auch ohne großen Rucksack erkennen.