Landwirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Der Agrarminister umgarnt die Bauern

Agrarminister Alois Rainer (rechts) mit Bauernpräsident Joachim Rukwied.
Agrarminister Alois Rainer (rechts) mit Bauernpräsident Joachim Rukwied.

Landwirte betrachten Alois Rainer als einen der ihren – das scheint bei dessen ersten Auftritt beim Bauerntag klar. Er kann sie aber nicht in allen Punkten glücklich machen.

Eigentlich steht er nicht gern auf der Bühne. Aber an diesem Tag scheint sich Landwirtschaftsminister Alois Rainer dort wohlzufühlen. Lächelnd stützt der CSU-Politiker seine Hände auf dem Redepult ab, den Blick nach vorn gerichtet. „Einige mögen sagen, es ist die Feuertaufe“, sagt er. „Ich nenne es so: zu Gast bei Freunden.“ Die Bauern klatschen laut. Sie scheinen es so zu sehen wie Rainer selbst: Das Landwirtschaftsministerium wird nun von einem Freund geführt.

Es ist der erste Deutsche Bauerntag für den neuen Minister. Es ist die Mitgliederversammlung des Deutschen Bauernverbands (DBV), die in diesem Jahr in Berlin stattfindet. Rund 600 Delegierte kommen dort zusammen. Der DBV ist die nicht einzige Interessensvertretung der Landwirtschaft, aber ihre größte und mächtigste.

Mit Özdemir gefremdelt

Vor einem Jahr war es noch Cem Özdemir, der damals im brandenburgischen Cottbus als Landwirtschaftsminister auf dem Deutschen Bauerntag auftrat. Der Applaus war verhalten. Die Landwirte hatten immer ein schwieriges Verhältnis zu dem Grünen-Politiker – ganz gleich, wie sehr sich Özdemir bemühte. Als die Ampelregierung dann die teilweise Streichung der Agrardiesel-Subvention beschloss, gingen die Landwirte über Monate auf die Straße.

Mit Rainer hat nun ein Politiker das Amt übernommen, den die Bauern als einen der ihren betrachten. Man kann das gutheißen. Und sich zugleich fragen, ob das seiner Rolle entspricht. „Wir setzen auf Sie“, sagt Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied, als er Rainer auf der Bühne begrüßt. Rainer ist selbst auf einem Hof aufgewachsen – in einer prominenten Familie. Sein Vater saß im Bundestag, seine Schwester Gerda Hasselfeldt war mal Gesundheitsministerin. Bis heute lebt Rainer auf dem Familienbetrieb, zu dem ein Gasthof und eine Schlachterei gehören. Er selbst ist ausgebildeter Metzger.

Rainer hat viel vor

Rainer zählt in seiner Rede auf, was sich seine Regierung alles vorgenommen hat. Die Agrardiesel-Subventionen sollen die Landwirte ab 2026 wieder vollständig erhalten. Er verspricht Vereinfachung beim Düngerecht, will das Tierhaltungskennzeichen weiterentwickeln, sich für einen längeren Bestandsschutz bei Ställen einsetzen und auch den Abschuss des Wolfs erlauben – alles Punkte, die die Bauern begrüßen. Viele Landwirte fürchten derweil, dass der Mindestlohn auf 15 Euro steigen könnte. Er lasse gerade prüfen, ob es rechtliche Möglichkeiten für Ausnahmen gibt, erklärt Rainer. An dieser Stelle fällt der Applaus verhaltener aus. Den Bauern scheint klar zu sein: Gut stehen ihre Chancen nicht.

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