Hintergrund RHEINPFALZ Plus Artikel Coronakrise: Hilfe für die französischen Nachbarn

Damit es nicht bei Rückblicken bleibt: Die Präsidentenkollegen Macron (Frankreich) und Steinmeier (Deutschland) bei einer Gedenk
Damit es nicht bei Rückblicken bleibt: Die Präsidentenkollegen Macron (Frankreich) und Steinmeier (Deutschland) bei einer Gedenkfeier zum Ersten Weltkrieg im Elsass.

Europa lebt noch: Auch in Rheinland-Pfalz stehen nun Betten für Kranke aus dem Elsass, die an Covid-19 leiden, bereit

Hoppla, es geht doch! Noch bevor die ersten Meldungen über die elsässischen Medien verbreitet wurden, machte am Samstag die Nachricht unter Freunden entlang der Grenze die Runde: Das Land Baden-Württemberg stelle Intensivbetten für an Covid-19 erkrankte Patienten aus dem Elsass zur Verfügung, um den völlig überlasteten Kliniken im Raum Mulhouse zu helfen.

Die ersten beiden Patienten wurden am Samstag nach Freiburg im Breisgau gebracht. Die Stadt, deren Oberbürgermeister Martin Horn – zur Erinnerung: Er stammt aus Hornbach, einen Steinwurf weit von der Grenze nach Lothringen entfernt – als erste in Deutschland besonders drakonische Ausgangsverbote verhängte, hat also auch eine andere Seite. Und dann ging alles Schlag auf Schlag: Die Schweizer Kantone Basel-Stadt und Land sowie Jura sind ebenfalls dabei.

Seit Sonntag machen auch Rheinland-Pfalz und das Saarland mit. Zehn Patienten aus dem Elsass sollen rheinland-pfälzische Kliniken aufnehmen können, twitterte Jean Rottner, Präsident der Region Grand Est und im Zivilberuf Notfall-Mediziner, am Sonntag: Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Europa ist im deutsch-französischen Grenzraum bis hin zum Nicht-EU-Mitglied Schweiz als doch mehr als eine Schönwetter-Angelegenheit, die beim kleinsten Sturm zusammenbricht!

Mehr als ein Kollege

Es war Brigitte Klinkert, die Präsidentin des besonders schwer betroffenen Département Haut-Rhin, von der die Initiative ausging, die deutschen Nachbarn um Hilfe zu bitten. Heidelberg habe drei Betten angeboten, Ulm ebenfalls drei und Mannheim wie Villingen-Schwenningen jeweils zwei. Nun ist auch Karlsruhe dabei. Klinkert habe in enger Abstimmung mit der Region Grand Est und Präsident Jean Rottner gehandelt, heißt es. Dieser wiederum, sagte der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans im Sonntagsinterview des Deutschlandfunks, sei in den vergangenen Wochen weit mehr als ein Kollege geworden: ein Freund.

Eine spätere Nachrichten-Kurzfassung des Interviews unterschlägt das alles, in ihr steht nur noch, Hans plädiere aufgrund der Grenzlage seines Bundeslandes für besonders strenge Maßnahmen. Nichts von den Beratungen mit Rottner, dem Freund, mit dem baden-württembergischen Kollegen Winfried Kretschmann, mit dem luxemburgischen Ministerpräsidenten und der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

In diesen Zeiten

Es gibt Wichtigeres zu berichten im Moment? Möglich, aber was kann wichtiger sein als Solidarität und Hilfe unter Nachbarn in Zeiten, in denen alle Grenzen geschlossen werden – im Augenblick ja auch die zum Garten des Nachbarn in unserer Straße.

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