Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Corona-Regeln: Es droht der Verlust von Glaubwürdigkeit

Rheinland-Pfalz nimmt kleine Kinder von Kontaktbeschränkung aus.
Rheinland-Pfalz nimmt kleine Kinder von Kontaktbeschränkung aus.

Rheinland-Pfalz passt die Corona-Vereinbarungen der Länder an. Die Begründungen sind plausibel, aber es droht Verlust von Glaubwürdigkeit.

Die Regierungschefs der Länder und die Bundeskanzlerin haben am Dienstag weitere Einschränkungen vereinbart, um im Gleichschritt der Pandemie zu trotzen. Und kurz danach beginnen die Länder die Abmachungen für sich zu interpretieren und umzusetzen. Beispiel Rheinland-Pfalz: Die strenge Regel, dass man sich in der Öffentlichkeit allenfalls noch mit einer Person eines fremden Hausstands treffen darf, hat Mainz „lebensnah angepasst“: Kleinkinder unter sechs Jahren zählen nicht mit. Die Begründung ist durchaus plausibel: Nur so bleibt es erlaubt, dass sich zum Beispiel Mutter und Kind mit einer zweiten Mutter mit Kind treffen dürfen. Leider bergen solche kleinen Sonderregelungen die Gefahr, dass die Akzeptanz der nervigen, aber zumindest in ihrem Grundsatz unvermeidlichen Einschränkungen sinken könnte.

Die vereinbarten Bewegungseinschränkungen für Menschen aus Hotspot-Kommunen kloppt das Land in die Tonne, auch wenn die Ministerpräsidentin das Gegenteil versichert. Die Kommunen sollen künftig mitentschieden, ob dieses Instrument was bringt. Aber was sollte es für das Infektionsgeschehen in den eigenen Mauern bringen, wenn man den Bürgern erlaubt 20 Kilometer weit zu fahren, aber keine 30 Kilometer? Maßnahmen dieser Art sind Indiz dafür, dass sich bei den politischen Akteuren am Beginn des Superwahljahres Nervosität und Unsicherheit breitmachen. Doch bei der Pandemie-Bekämpfung bedarf es kühler Köpfe.

Zum Artikel: Ausnahme für Kinder unter sechs Jahren in Rheinland-Pfalz

x