Serbien
Corona-Krise: Die Wut der Serben
Entzündet hatte sich der Protest an der von der Regierung Aleksandar Vucic angekündigten viertägigen Ausgangssperre, die von Freitag bis Montag dauern sollte. Angesichts der Ausschreitungen lenkte der Präsident inzwischen ein Stück weit ein und erklärte, es werde zwar in Belgrad „definitiv“ striktere Corona-Auflagen geben als zuletzt. Sein Krisenstab scheine jedoch „der Ansicht zu sein, dass es keine Ausgangssperre geben sollte“.
Es ist dies der bislang heftigste Protest gegen Vucic, der Serbien seit sechs Jahren zunehmend autoritär regiert. Am Mittwochabend lieferten sich Demonstranten und Polizei in Belgrad den zweiten Tag in Folge gewaltsame Auseinandersetzungen, bei denen mehrere Menschen verletzt wurden.
Serbien: Volk sieht sich getäuscht
„Rücktritt! Rücktritt!“, schallte es Vucic lautstark entgegen. Noch blieb ihm das Schicksal seines politischen Ziehvaters Slobodan Milosevic erspart, den vor 20 Jahren ein Volksaufstand stürzte. Aber Vucics Image als fürsorglicher Landesvater scheint dahin: Künftig muss der amtierende Präsident mit dem Makel leben, das Volk getäuscht zu haben.
Das fühlt sich für dumm verkauft: Erst vor der Wahl am 21. Juni hatte die Regierung großzügig alle Einschränkungen mit dem Hinweis auf eine Entspannung aufgehoben. Sie verschleierte jedoch die wahren Infektionszahlen und die Anzahl der Todesopfer. So fanden Fußball und Tennis mit maskenlosen Zuschauermassen statt, auch konnten die Belgrader die Nächte wieder durchfeiern.
Doch Vucic sah sich nun zu einer Kehrtwende gezwungen. Zuletzt waren schlagartig innerhalb von 24 Stunden 13 Menschen an Covid-19 gestorben – so viele wie noch nie seit Beginn der Virusausbreitung in Serbien. Der Präsident musste auch zugeben, dass mittlerweile die Krankenhäuser mit über 4000 Virus-Erkrankten sowie täglich 9000 Corona-Tests an die Grenzen ihrer Belastbarkeit stoßen.
Griechenland: Tests für Touristen vom Balkan
Unterdessen bestätigt sich in Griechenland, das derzeit weitere Schritte zur Normalisierung des Alltagslebens macht, eine Befürchtung vieler Fachleute: Ausländische Touristen schleppen das Virus ein und verbreiten es. Nikos Chardalias, als Vizeminister für Zivilschutz zuständig für die Koordination der Corona-Strategie, warnt: „Wir sind noch nicht fertig mit dem Virus, nichts ist vorbei!“
Das merken vor allem Touristen, die jetzt aus den Balkanländern über den bulgarischen Grenzübergang Promachonas nach Griechenland kommen. Seit Mitte der Woche werden alle Reisenden auf das Virus getestet. Damit zieht die Regierung die Konsequenz aus einem spürbaren Wiederanstieg der Infektionen. Wurden in Griechenland im Juni an vielen Tagen weniger als zehn neue Covid-19-Fälle registriert, waren es zwischen dem 1. und dem 9. Juli 560. Davon gingen 392 auf das Konto ausländischer Touristen. Haupteinfallstor ist der Übergang Promachonas, und hier sind es vor allem Serben, die positiv getestet werden. Die Regierung reagierte und untersagte Besuchern aus Serbien die Einreise. Aber Zehntausende sind bereits im Land.
USA: Leitlinien für Schul-Öffnungen lockern
Die Coronavirus-Pandemie breitet sich im Süden und Westen der USA weiter mit dramatischer Geschwindigkeit aus. Bundesstaaten wie Florida, Texas oder Arizona verzeichneten sehr hohe Infektionsraten, teilweise wurden Intensivbetten in Krankenhäusern knapp. Die Anzahl der landesweit gemeldeten Neuinfektionen lag am Mittwoch bei rund 58.600, wie Daten der Universität Johns Hopkins am Donnerstag zeigten. In Tulsa im Bundesstaat Oklahoma, wo Donald Trump vor etwa zweieinhalb Wochen Wahlkampf betrieb, werden immer mehr Neuinfektionen festgestellt – zuletzt eine Zunahme der Infektionsfälle um 266 binnen 24 Stunden.
Trotzdem plant der US-Präsident, an diesem Samstag auf dem Flughafen von Portsmouth im nordöstlichen Bundesstaat New Hampshire vor Tausenden Anhängern zu sprechen. Trump dringt weiter auf eine Öffnung der Schulen im Land nach den Sommerferien. Damit dies klappt, will die US-Gesundheitsbehörde CDC ihren Leitfaden für die Wiedereröffnung von Schulen in der Corona-Krise überarbeiten. „Der Präsident hat heute gesagt, dass wir einfach nicht wollen, dass die Leitlinien zu streng sind. Deshalb wird CDC nächste Woche einen neuen Satz an Maßnahmen herausgeben“, sagte Vizepräsident Mike Pence.