Politik
Corona-Epidemie: Beatmungsstopp für alte Menschen in Strassburg
Die französische Region Grand Est, zu der neben dem Elsass auch Lothringen und Champagne-Ardenne gehören, wird wegen der vielen Infektionsfälle vom deutschen Robert-Koch-Institut als Risikogebiet eingestuft. Wie dramatisch die Lage in der Nachbarregion ist, wird in einem Bericht deutlich, den Mitarbeiter des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin in Tübingen an die baden-württembergische Landesregierung geschickt haben.
Demnach arbeiten Mediziner an der Universitätsklinik Straßburg auch dann weiter mit Corona-Patienten, wenn sie selbst infiziert sind. Zudem würden Patienten, die über 80 Jahre alt sind, nicht mehr beatmet. Stattdessen erfolge „Sterbebegleitung mit Opiaten und Schlafmitteln“, heißt es in dem Papier, das am Mittwoch öffentlich wurde. Die deutschen Ärzte hatten das Universitätsklinikum in Straßburg Anfang dieser Woche besucht.
Ein zentrales Problem im Elsass ist offensichtlich der Mangel an Beatmungsgeräten. Das Krankenhaus in Straßburg müsse seit Sonntag jede Stunde einen beatmungspflichtigen Patienten infolge einer Corona-Infektion aufnehmen, heißt es. Beim Besuch der deutschen Katastrophenmediziner standen aber nur 90 Beatmungsbetten zur Verfügung.
Es wird nicht mehr operiert
Die Klinik baut ihre Kapazitäten derzeit aus. Mehrere schwerkranke Patienten aus dem Grenzgebiet wurden wegen der Schwierigkeiten, sie zu versorgen, bereits nach Deutschland (auch nach Rheinland-Pfalz) und in die Schweiz gebracht.
Die Corona-Pandemie hat natürlich Auswirkungen auf den Rest der Klinik in Straßburg. Es gibt keine Tumor-Chirurgie mehr und keine ambulanten Operationen. Alle Patienten, die gehen können und bei denen es gesundheitlich vertretbar ist, wurden entlassen.
Der Sprecher des baden-württembergischen Innenministeriums betonte, es handle sich um eine Beschreibung der Zustände der Uniklinik Straßburg. Dieser Zustand sei mit der Situation der Kliniken in Deutschland nicht vergleichbar. Hier habe man sich sehr früh um eine Eindämmung bemüht; die Ausbreitung des Coronavirus sei in Frankreich viel weiter fortgeschritten. Angesichts der Zustände im Elsass kommen die Verfasser des Schreibens an das Ministerium allerdings zu dem Schluss, dass „weitere konsequente Maßnahmen der Landesregierungen, der Krankenhäuser und der Rettungsdienste in Deutschland unabdingbar“ seien.
Entlastung für die Region
Bei einem Besuch in Mulhouse am Mittwoch unterstrich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wiederholt, dass sich das Land in einem „Krieg“ gegen das Virus befinde. Er äußerte sich nach dem Besuch eines neu errichteten Militärlazaretts, das die überfüllten Krankenhäuser in der Region entlasten soll.
Macron versprach für die Zukunft „massive“ Investitionen in öffentliche Krankenhäuser. In den vergangenen Jahren hatte das französische Gesundheitssystem immer wieder Sparrunden erlebt, was jetzt offenbar die Probleme beim Eindämmen des Virus befeuert hat. Der Präsident konnte seinen Landsleuten allerdings keine Hoffnung auf ein schnelles Ende der Krise machen. Frankreich stehe erst am Anfang der Virus-Epidemie. „Aber wir werden das durchstehen, weil wir nicht aufgeben werden, weil wir stark sind“, sagte der Präsident.
Mit dem Bau des Militärlazaretts in Mulhouse ist in Frankreich in dieser Krise zum ersten Mal das Militär mobilisiert worden. Nach dem Willen von Staatspräsident Macron soll der Einsatz der Soldaten unter dem Namen „Résilience“ (Widerstandskraft) noch ausgedehnt werden. Die Armee soll demnach Aufgaben in den Bereichen Gesundheit und Logistik erfüllen und den Schutz sensibler Einrichtungen gewährleisten. Nach Angaben des französischen Generalstabs könnten die Soldaten beispielsweise Atomkraftwerke schützen, von denen die Stromversorgung in Frankreich maßgeblich abhängt. Zudem könnten sie die Polizei beim Aufrechterhalten der öffentlichen Ordnung entlasten.