Russische Invasion
Britische Freiwillige wollen in der Ukraine kämpfen
Britischen Veteranen wird von staatlicher Seite dringend abgeraten, als Freiwillige in die Ukraine zu ziehen, um dort gegen Russland zu kämpfen. Nachdem am Dienstag bekannt wurde, dass sich etwa 150 ehemalige Fallschirmjäger auf den Weg gemacht haben, sagten am Mittwoch Gewährsleute aus Sicherheitskreisen, dass ihnen bei der Rückkehr nach Großbritannien eine Strafverfolgung drohen könnte. Sie würden riskieren, sowohl aufgrund eines Gesetzes aus dem Jahre 1870, das den Eintritt in eine fremde Armee verbietet, als auch aufgrund eines neueren Anti-Terror-Gesetzes aus dem Jahr 2000 belangt zu werden.
Die ukrainische Botschaft in London hatte in den vergangenen Tagen einen Zulauf von Dutzenden Briten erlebt, die sich für den Widerstand gegen die russische Invasion melden wollen. Ausgelöst hatte den Ansturm unter anderem eine Äußerung der Außenministerin Liz Truss. Sie war am Sonntag gefragt worden, was sie von dem Aufruf des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyi halte, der ausländische Freiwillige zur Bildung einer Fremdenlegion eingeladen hatte. „Ich unterstütze das“, antwortete Truss. Auch Briten sollten sich daran beteiligen: „Absolut, wenn es das ist, was sie wollen.“
Verteidigungsminister nicht erfreut
Für den ehemaligen Scharfschützen Shane Matthews, der bis zu seiner Entlassung 2009 mehrere Einsätze in Afghanistan und im Irak erlebte, war das eine Einladung, auf die er gewartet hatte. „Das war das grüne Licht“, sagte er gegenüber der „Times“. „Russen trampeln über die demokratischen Rechte eines Landes und ich bin nicht gewillt, mich zurückzulehnen und sie gewähren zu lassen.“
Freilich hatte Truss mit ihrer Äußerung die offizielle Weisung ihres eigenen Außenministeriums unterlaufen, die Briten vor Reisen in die Ukraine warnt. Auch der Verteidigungsminister Ben Wallace hält nichts von der jetzt entflammten Kampfbegeisterung seiner Landsleute. Die Situation in der Ukraine sei „sehr gefährlich“, sagte er. Leute könnten sterben und er rate dringend davon ab, jetzt in die Ukraine zu reisen.
Vorbild spanischer Bürgerkrieg
Schon im spanischen Bürgerkrieg hatten sich 1936 Tausende Briten im Kampf gegen den Faschismus als Freiwillige gemeldet. Das Engagement ist nicht zuletzt vom Schriftsteller George Orwell romantisch verklärt worden, der seine Beteiligung mit dem Bericht „Hommage to Catalonia“ dokumentierte. Eine ähnliche Begeisterung hat in diesen Tagen viele Briten erfasst. Junge Männer ohne jede militärische Ausbildung melden sich bei der ukrainischen Botschaft in London, seien es Banker oder Gabelstaplerfahrer, Fitnessstudio-Besitzer oder private Wachleute. Laut ukrainischen Angaben haben sich bisher mehr als 1000 Ausländer aus 16 Ländern dem Kampf angeschlossen.