Katholische Kirche RHEINPFALZ Plus Artikel Bischöfe sollen „klare Kante“ zeigen

Will wissen, wie die Bischöfe zu den einzelnen Reformvorhaben stehen: die Benediktinerin Philippa Rath.
Will wissen, wie die Bischöfe zu den einzelnen Reformvorhaben stehen: die Benediktinerin Philippa Rath.

Beim Reformprozess der katholischen Kirche geht es in Frankfurt auch um Machtbefugnisse von Priestern und Bischöfen und um Mitspracherechte von Gläubigen. Unklar bleibt, was das Gros der Oberhirten davon hält.

16 Texte und mehr als 200 Seiten zu Reformen in der katholischen Kirche: Damit setzen sich die 215 Delegierten des Synodalen Weges – Priester, Bischöfe, Ordensangehörige, katholische Frauen und Männer – seit Donnerstag auseinander. Mit „Macht und Gewaltenteilung“ beschäftigen sie sich am Freitag in der Messehalle in Frankfurt. Das Forum Synodaler Weg fordert in seinen Texten unter anderem eine Kontrolle und Eingrenzung bischöflicher Macht durch demokratisch gewählte Gremien. Darin ist auch die Rede von der Selbstverpflichtung der Bischöfe, die vom Synodalen Weg beschlossenen Reformen umzusetzen, oder sich ins Amt wählen zu lassen.

Ausgangspunkt des auf zwei Jahre angelegten Reformprozesses ist die Veröffentlichung der von den Bischöfen in Auftrag gegebenen Missbrauchsstudie aus dem Jahr 2018, kurz: MHG-Studie. Sie nannte Zahlen: 3677 Opfer von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen, 1670 beschuldigte Kleriker. Die mit dem Missbrauchsskandal einhergehende Vertrauenskrise war der Grund, dass das höchste Laiengremium, das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken, und die Bischofskonferenz 2020 den Reformprozess starteten. Anhand der in der Studie aufgezeigten strukturell-systemischen Defizite, die Missbrauch und Vertuschung fördern, wurden vier Foren eingerichtet: Macht und Gewaltenteilung, Zölibat, katholische Sexualmoral und die Rolle der Frauen in der Kirche. Hier sollen Reformen auf den Weg gebracht werden.

Stimmen der Bischöfe extra auszählen

Einige in der Versammlung wollen nun aber konkret wissen, wie sich die anwesenden Würdenträger zu den Machtfragen stellen. Denn nur wenige der mehr als 60 anwesenden Bischöfe positionieren sich dazu in der Versammlung.

Sie wünsche sich, dass die Bischöfe „klare Kante“ zeigten, sagt die Benediktinerin Philippa Rath. Es sei wichtig, für die weitere Arbeit im Reformprozess zu wissen, wie die Bischöfe zu den einzelnen Reformvorhaben stehen. Doch ein Antrag, in der Abstimmung die Stimmen der Bischöfe extra zu zählen, ist nicht möglich. Die Begründung: Dies sehe die Geschäftsordnung für die erste Lesung der Texte nicht vor.

Schärfster Kritiker des Reformprojektes

Das Interesse an der Einstellung der Bischöfe ist auch deshalb gegeben, da am Ende des Reformprozesses die Beschlüsse nur dann als angenommen gelten, wenn sie unter den teilnehmenden Bischöfen eine Zweidrittelmehrheit erreichen. Und – allein die Bischöfe haben am Ende die Macht, die Beschlüsse in ihren Bistümern in Kraft zu setzen.

Eindeutig positioniert hat sich in Frankfurt der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer. Er ist einer der schärfsten Kritiker des Reformprojektes. Voderholzer hat im Vorfeld der Versammlung eine eigene Internetseite eingerichtet, um Alternativtexte für den Synodalen Weg zu veröffentlichen. In der Versammlung bekräftigt er seine Kritik: Der Forumstext sei in seiner Grundausrichtung falsch, da er „von einer unkritisch rezipierten, ja geradezu dogmatisch überhöhten MHG-Studie“ ausgehe und „erhebliche theologische Mängel“ habe. Anstoß an dieser Formulierung nimmt der Sprecher des Betroffenenbeirats der Bischofskonferenz, Johannes Norpoth: Derartige Angriffe auf die theologische Aufarbeitung des Missbrauchsskandals blende die Opfer aus. „Ich erwarte mindestens einen anderen sprachlichen Umgang.“

Konservative Version abgelehnt

Unterstützung erhält der Regensburger Bischof von Dorothea Schmidt von der Initiative „Maria 1.0“. Sie befürchtet eine „regelrechte Machtübernahme der Laien“. Wegen der sakramentalen Verfassung der Kirche müsse eine Letztverantwortung der Kleriker gewahrt bleiben. In dem von Voderholzer eingebrachten Alternativtext werden zwar auch mehr Transparenz und Neuerungen verlangt – aber ohne grundsätzliche Änderungen in Lehre und Praxis. Denn die Missbrauchskrise könne nicht durch eine Relativierung von Grundüberzeugungen bewältigt werden.

Schließlich erteilt die Vollversammlung dem von Voderholzer eingebrachten Alternativtext eine Absage. Rund vier Fünftel der Delegierten sprechen sich für die Forumsvorlage aus, ein knappes Fünftel machte sich für die konservative Version stark.

Blick auf Missbrauchsopfer

Am Rande der Versammlung macht der neue Geistliche Begleiter des Synodalen Weges, Pfarrer Siegfried Kleymann, klar, dass es bei dem Reformprozess nicht um den Zweck gehe, „dass die Kirche verlorenes Vertrauen zurückgewinnt“. Stattdessen gehe es „darum, auf die Überlebenden von sexueller Gewalt zu schauen“. Es müssten Strukturveränderungen vorgenommen werden, weil es um die Menschen gehe.

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