Iran
Bekannter Beauty-Unternehmer aus Mannheim in Teheran festgenommen
Das staatliche iranische Justizportal Mizan veröffentlichte am 12. September auf der Plattform X (früher Twitter) ein Video mit dem Hinweis „die Anführer anti-iranischer Versammlungen im Ausland“ seien verhaftet worden. Dazu werden Aufnahmen von Protesten gegen das Regime unter anderem in Deutschland gezeigt und „Geständnisse“ der drei Männer, dabei als „Anführer“ in Erscheinung getreten zu sein. Eine Person spricht auf Deutsch den Satz „Meine Stimme für mein Land“. In Händen hält der Mann ein schwarzes T-Shirt mit einer Faust in den Farben der iranischen Flagge und mit einem regierungskritischen Aufdruck.
Der in Köln lebende freie Journalist Bamdad Esmaili sah einen Bericht über die Festnahmen im iranischen Staatsfernsehen und forschte nach, wie er der RHEINPFALZ sagte. Durch Hinweise aus der iranischen Exil-Community habe sich recht schnell ergeben, dass es sich um den Mannheimer Reza Shari handeln muss. Zuerst berichtete das Portal t-online darüber.
Der heute 47-jährige Unternehmer führt seit mehr als 20 Jahren einen Beauty-Salon in der Mannheimer Innenstadt und ist mit Videos zu Kosmetikthemen in den sozialen Medien stark präsent, tritt immer wieder in TV-Sendung auf. Er wurde 1975 in Teheran geboren und flüchtete mit seinen Eltern 1988 vor dem Iran-Irak-Krieg zuerst in die Türkei und kurze Zeit später nach Deutschland. Ein kleiner Teil der Familie lebt noch immer im Iran, wie er einmal dem Regionalsender Ron erzählte.
Das Gesicht der Person auf dem vom Justizportal veröffentlichten Video wurde unkenntlich gemacht. Doch der Mann befindet sich augenscheinlich in dem Mannheimer Geschäft. Stimme und Aussehen passen zu dem 47-Jährigen. Später ist er auch eindeutig in Mannheim vor dem Rosengarten zu sehen. Die Authentizität der gesamten Aufnahmen lässt sich allerdings nicht überprüfen, ebenso wenig die Echtheit der vermeintlichen Geständnisse. Die Familie von Shari wollte sich auf Anfrage noch nicht zu den Vorgängen äußern.
Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es auf Anfrage nur, die Berichte über den Fall seien bekannt. In früheren Fällen äußerte sich die Bundesregierung zum Schutz der Betroffenen auch schon nicht weiter im Detail. Am Mittwoch erst wurde mitgeteilt, dass Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) erstmals seit anderthalb Jahren mit ihrem iranischen Amtskollegen Hossein Amir-Abdollahian telefoniert habe. Dabei sei es insbesondere um „deutsche Konsularfälle“ gegangen, hieß es weiter.
Zwei Fälle von im Iran inhaftierten Deutschen sind derzeit öffentlich bekannt: Es handelt sich um die Menschenrechtsaktivistin Nahid Taghavi und den im Februar zum Tode verurteilten Oppositionellen Jamshid Sharmahd.
Journalist Esmaili berichtete am Mittwoch auf X, der Mannheimer Shari sei auf Kaution frei im Iran, nächste Woche beginne sein Prozess. Er sei in den vergangenen Jahren immer wieder in sein Heimatland gereist, obwohl das Auswärtige Amt davor warnt. Noch am Flughafen sei er festgenommen und ins Evin-Gefängnis gebracht worden.
Der Tod der 22-jährigen Kurdin Jina Mahsa Amini nach der Festnahme durch die Sittenpolizei in Teheran – sie soll ihr Kopftuch nicht richtig getragen haben – löste vor genau einem Jahr landesweite Proteste gegen die autoritäre Führung des Staates aus. Die Behörden reagierten mit großer Härte. In Europa und den USA solidarisierten sich Tausende mit den Protestierenden im Iran.