USA / China RHEINPFALZ Plus Artikel Ballon birgt politischen Sprengstoff

Der Abschuss des Ballons.
Der Abschuss des Ballons.

Die Ballon-Posse gibt den Hardlinern in den USA Auftrieb, die einen knallharten Konfrontationskurs mit China wollen.

Auf den ersten Blick wirkt der Vorgang wie eine Posse: Ein weißer Ballon mit einem silbernen Anhängsel treibt sieben volle Tage von West nach Ost über die Weiten der USA. Bei klarem Wetter kann man das feindliche Flugobjekt am blauen Himmel beobachten, im Netz gibt es einen Wettbewerb um die besten Fotos. Unwillkürlich wähnt man sich in einem satirischen Spionagethriller: Zu offensichtlich und zu anachronistisch erscheint im Zeitalter der globalen Satellitenüberwachung der chinesische Ausspähversuch, um eine echte Bedrohung für die USA darzustellen.

Doch genau darin liegt die politische Brisanz: Im besten Fall war der Himmelskörper ein plumper Versuchsballon der Machthaber in Peking, die frech austesten wollen, wie weit sie gehen können. Im schlimmsten Fall eine bewusste Demütigung und Provokation Washingtons.

Die Wirkung jedenfalls ist höchst beunruhigend: Die Beziehungen zwischen den beiden Weltmächten stürzen auf einen absoluten Tiefpunkt. Und innenpolitisch liefert die dreiste Spionage-Aktion den Hardlinern in den USA, die auf einen knallharten Konfrontationskurs mit China drängen, nun neue Nahrung.

Der abgeschossene Ballon hat nicht nur Gas und Überwachungsschrott freigesetzt, sondern auch eine gewaltige Ladung politischen Sprengstoff.

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