USA-Besuch
Baerbock: Botschaften an die US-Republikaner
Mit kritischen Fragen hatte sie gerechnet. Aber dass nach ihrer ersten Antwort beim rechten Sender Fox News der Moderator Bret Baier einfach verschwand und dann nach einer langen Pause ein anderer Interviewer das Live-Gespräch fortsetzte, konnte Annalena Baerbock nicht ahnen. Grund war offenbar ein technisches Leitungsproblem. Doch die deutsche Außenministerin ließ sich nichts anmerken. Freundlich, ruhig und in bestem Englisch formulierte sie sechs Minuten lang ihre Botschaften.
Der Westen dürfe in der Unterstützung der Ukraine nicht nachlassen, forderte die Chefdiplomatin: „Putin bekämpft auch Demokratien weltweit und deshalb müssen wir zusammenstehen“, mahnte die Grünen-Politikerin. Sie schilderte die Eindrücke von ihrem jüngsten Besuch in Kiew, sprach von Kindern, „die nicht mehr zur Schule gehen, Kindern, die nach Russland deportiert werden“ und versicherte, Deutschland werde das Land unterstützen, „as long as it takes“ (solange es sein muss). Putin, appellierte Baerbock mit einer auf die US-Zuschauer zugeschnittenen Botschaft, dürfe den Krieg nicht gewinnen, denn: „Was für ein Signal wäre das für andere Diktatoren in der Welt – wie Xi, den chinesischen Präsidenten?“
In der deutschen Delegation herrschte nach dem Auftritt große Zufriedenheit. Das Interview zur besten Sendezeit mit dem reichweitenstarken rechtskonservativen Sender war ein zentraler Baustein von Baerbocks Versuch, auch ins republikanische Lager vorzudringen.
Angesichts der Machtverhältnisse im Repräsentantenhaus, wo die Republikaner in der Mehrheit sind, wie auch der Gefahr eines Sieges von Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl ist dies eine ebenso ambitionierte wie alternativlose Strategie.