Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Automesse IAA: Die neuen Herausforderer aus China

Das neue Gesicht des BMW-Hoffnungsträger iX3.
Das neue Gesicht des BMW-Hoffnungsträger iX3.

Bei der Internationale Automobilausstellung in München stehen diesmal nicht die deutschen Hersteller im Blickpunkt. Sie müssen von Wettbewerbern aus China lernen.

1986. In einem preisgekrönten Werbespot von Audi fährt eine Allradlimousine die Skisprungschanze hoch. Ein spektakuläres Bild, das weltweit für deutsche Automobilkunst stand. Vorsprung durch Technik und Markenbotschaften. Die Zeiten sind vorbei. Wenn am Dienstag der Verband der Automobilindustrie seine IAA Mobility-Messe in München eröffnet, wird in seinen Mitgliedsunternehmen weniger über neue Modelle, sondern viel mehr über Werksschließungen diskutiert. VW will zum Beispiel bis 2030 jede vierte Stelle einsparen.

Wenn Konzerne schrumpfen, dann hat das nicht selten auch mit Hochmut, Bequemlichkeit und damit einhergehendem mangelndem Innovationsgeist zu tun. Für den Hochmut stand der Dieselskandal, den 2015 die US-Umweltbehörden aufdeckten. Heute sind es unter anderem die Trump-Zölle, die das lukrative USA-Geschäft der Premiummarken Mercedes, BMW, Porsche und Audi bremsen. Auf dem noch wichtigeren Markt China haben die Deutschen insbesondere bei E-Autobatterien den technologischen Anschluss verloren. Die Chinesen stehen in den USA ebenso auf dem Trump-Index und steuern nach Europa.

BYD-Werk in Ungarn

Chinas Volkswagen heißt BYD, ist in nur 20 Jahren zu einem der größten Hersteller der Welt gewachsen, baut gerade ein Werk in Ungarn und steckt seine Werbe-Millionen in den europäischen Volkssport Fußball. So etablierten sich einst die Südkoreaner von Hyundai auf dem deutschen Markt bei der Fußball-WM 2006. Bei der IAA in München präsentieren sich erstmals 30 Marken aus China. Fast alle sind technisch und im Design auf Augenhöhe mit den Konkurrenten, aber deutlich billiger.

Das macht auch den Inlandsmarkt für die deutschen Hersteller schwierig. Bei der Ursachenanalyse ist wieder ein Blick in die Preislisten aufschlussreich. 1974 kostete ein Auto im Durchschnitt 4,6 Monatseinkommen. Heute sind es zehn Monatsgehälter. In dieser Rechnung sind höhere Werkstattpreise, Versicherungsprämien oder Führerscheinkosten noch unberücksichtigt. Wer soll das so einfach bezahlen können bei steigenden Lebenshaltungskosten in fast allen Bereichen? Wie sehr die Kaufentscheidung eine Frage des Geldes ist, zeigen die Absatzzahlen innerhalb des VW-Konzerns. Während Audi und Porsche Probleme haben, Volkswagen mit Mühe auf dem Vorjahresniveau fährt, feiern die günstigeren Töchter Skoda und Seat-Ableger Cupra Rekordzahlen.

Schnickschnack, den keiner braucht

Der reflexhafte Ruf der Schlüsselindustrie nach einer erneuten staatlichen Kaufprämie für Autos dürfte wenig Erfolgsaussichten haben. Zumal sich darüber auch die Importeure freuen würden.

Den IAA-Besucher erwarten an den Ständen der inländischen Hersteller im Vergleich zu früheren Jahren deutlich weniger Modelle und Ausstattungsvarianten. Kein Firmenlogo muss vom Außenspiegel auf den Bürgersteig projiziert werden, keine Front illuminiert. Das ist Schnickschnack, den keiner braucht. Weniger ist künftig mehr. Geld für mehr Forschung und Investitionen ist – noch – vorhanden. Rendite-Primus BMW hat 2024 im Schnitt an jedem verkauften Auto noch über 4000 Euro verdient. Trotzdem ist die Skisprungschanze, die es wieder hochgehen soll, sehr steil.

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