Politik Attentat auf Weihnachtsmarkt: Verdächtiger auf freiem Fuß

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Berlin. Die Freilassung des Verdächtigen begründete die Bundesanwaltschaft damit, dass gegen den Mann kein dringender Tatverdacht bestehe. Der 23-Jährige, der aus Pakistan stammen soll, war etwa eine Stunde nach dem mutmaßlichen Anschlag festgenommen worden. Er stritt die Tat allerdings ab. Die kriminaltechnischen Untersuchungen konnten laut Bundesanwaltschaft eine Anwesenheit des Beschuldigten im Führerhaus des Lkw bislang nicht belegen. Auch habe es nach der Tat keine lückenlose Verfolgung des Lkw-Fahrers durch Augenzeugen gegeben. Bundesinnenminister de Maizière schloss nicht aus, dass der Attentäter weiter auf der Flucht ist. Die Berliner Polizei rief per Twitter zur Wachsamkeit auf und warnte: „Gehen Sie verdächtigen Beobachtungen zu Ihrer eigenen Sicherheit bitte nicht selbst nach – dafür sind wir da.“ Generalbundesanwalt Frank hatte schon am Nachmittag Zweifel an der Täterschaft des 23-Jährigen geäußert. Frank ging zwar von einem terroristischen Anschlag aus, der Hintergrund der Tat sei aber noch offen. Aus dem Ziel und dem Vorgehen des Täters könne man zwar auf ein islamistisches Motiv schließen, meinte Frank. Man müsse aber weiter in alle Richtungen ermitteln. Am Abend nahm der IS die Tat für sich in Anspruch. Der Täter sei ein „Soldat des Islamischen Staates“ gewesen, meldete das IS-Sprachrohr Amak im Internet. Der Täter sei dem Aufruf gefolgt, die Staaten der Anti-IS-Koalition anzugreifen, die den IS in Syrien und Irak bekämpft. Die Echtheit der Nachricht ließ sich zunächst nicht verifizieren. Die Tat hatte sich am Montag kurz nach 20 Uhr ereignet. Ein Sattelschlepper fuhr in eine Budengasse des Weihnachtsmarktes an der Gedächtniskirche. Zwölf Menschen wurden getötet, darunter der ursprüngliche Fahrer des aus Polen stammenden und wohl gestohlenen Lkw. Er sei als Beifahrer in der Fahrerkabine erschossen worden, sagte der Generalbundesanwalt. Verletzt wurden rund 50 Menschen, viele davon schwer. 24 Verletzte konnten gestern das Krankenhaus verlassen. De Maizière sagte am Abend im ZDF, dass noch 14 Menschen in Lebensgefahr schwebten. Von den getöteten Weihnachtsmarktbesuchern waren bis zum Nachmittag nach Behördenangaben sechs Menschen identifiziert. Alle seien deutsche Staatsbürger. Kinder sind nach Angaben des Ministers nicht unter den Toten, aber womöglich Jugendliche. Bundeskanzlerin Merkel besuchte am Nachmittag den Ort des Anschlags auf dem Breitscheidplatz und legte Blumen nieder. Merkel äußerte sich zutiefst erschüttert. Nach ihren Worten wäre es besonders schwer zu ertragen, wenn der Täter in Deutschland um Schutz und Asyl gebeten habe. „Dies wäre besonders widerwärtig gegenüber den vielen, vielen Deutschen, die tagtäglich in der Flüchtlingshilfe engagiert sind und gegenüber den vielen Menschen, die unseren Schutz tatsächlich brauchen und die sich um Integration in unser Land bemühen.“ Zum Gedenken an die Opfer des Anschlags fand am Abend in der Gedächtniskirche ein Trauergottesdienst statt, an dem auch jüdische und muslimische Geistliche teilnahmen. In dieser Ausgabe Zum Anschlag in Berlin lesen sie den Leitartikel auf Seite 2 sowie weitere Berichte auf den Seiten 2 und 3. |/rtr/dpa/afp

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