Griechenland
Athen rüstet massiv auf
Es ist für die Griechen das größte Rüstungsprogramm seit Jahrzehnten. Nachdem die Regierung erst vor wenigen Wochen 18 Rafale-Jets des französischen Herstellers Dassault bestellte, plant Athen jetzt auch die Beschaffung von bis zu 24 Kampfflugzeugen des amerikanischen Typs F-35. Auch zur See rüstet Griechenland auf: Das Verteidigungsministerium verhandelt mit den USA über die Lieferung von vier MMSC-Fregatten. Diese besonders schnellen und wendigen Multimissions-Schiffe gehören zum Modernsten, was derzeit auf dem Markt ist. Außerdem will Griechenland vier in den 1990er Jahren gelieferte Fregatten der deutschen Baureihe Meko modernisieren. Zu dem Rüstungsprogramm gehören auch neue Seahawk-Hubschrauber, Lenkwaffen und moderne Torpedos für die griechische U-Boot-Flotte.
Türkische Ansprüche auf griechische Inseln
Während der zehnjährigen Finanzkrise musste Griechenland auf Druck der internationalen Gläubiger seinen Verteidigungsetat halbieren. Jetzt will der konservative Premierminister Kyriakos Mitsotakis wieder mehr in die Rüstung investieren, um der Türkei Paroli bieten zu können. Ankara reklamiert im östlichen Mittelmeer nicht nur Gasvorkommen, die nach der UN-Seerechtskonvention Griechenland zustehen – am Donnerstag kreuzte das Forschungsschiff „Oruc Reis“, eskortiert von Einheiten der türkischen Kriegsmarine, zwischen den griechischen Inseln Rhodos und Kastelorizo. Die Türkei meldet auch Gebietsansprüche auf eine Reihe griechischer Ägäisinseln an.
Athen fordert EU-Waffenembargo gegen Ankara
Premier Mitsotakis will zudem die Wehrpflicht von neun auf zwölf Monate verlängern und 15.000 neue Berufssoldaten einstellen. Zahlenmäßig bleibt die Türkei aber mit 435.000 Soldaten den Griechen mit 107.000 weit überlegen. Mitsotakis setzt deshalb auf eine Doppelstrategie: Er rüstet auf und erhöht zugleich den diplomatischen Druck. Beim EU-Gipfel im Dezember kommt die griechische Forderung nach einem EU-Waffenembargo gegen die Türkei wieder auf die Tagesordnung. Der Appell richtet sich vor allem an Deutschland, das im vergangenen Jahr Rüstungsexporte von 31,6 Millionen Euro an die Türkei genehmigte, doppelt so viel wie 2018. Bedroht fühlen sich die Griechen vor allem durch sechs U-Boote des deutschen Typs 214, die derzeit in Lizenz von ThyssenKrupp in der Türkei gebaut werden. Berlin hat allerdings bereits signalisiert, das U-Boot-Geschäft werde nicht gestoppt.