Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Apotheken brauchen Hilfe

Der Protesttag der Pharmazeuten ist völlig legitim. Aber ist er auch gut begründet?
Der Protesttag der Pharmazeuten ist völlig legitim. Aber ist er auch gut begründet?

Einige der Gründe, warum sich Apotheken genötigt sehen, den Protest auszurufen, sind verständlich. Denn so wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben.

Sie nennen es Protesttag und nicht Streik. Doch wenn an diesem Mittwoch viele Apotheker ihre Geschäfte nicht öffnen, geht es ihnen um genau die Anliegen, die klassischerweise bei einem Streik im Mittelpunkt stehen, sprich: um mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen. Der Protesttag der Pharmazeuten ist also völlig legitim. Aber ist er auch gut begründet?

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat da seine Zweifel. Jedenfalls betont er, dass die Einkommen der Apotheker zuletzt überdurchschnittlich gestiegen seien. Dass sie zugleich höhere Kosten stemmen müssen, sagte er nicht – und auch nichts davon, dass Apotheken aktuell von ihrem wichtigsten Einnahmeposten einen erhöhten Abschlag an die Krankenkassen zahlen müssen.

Mangel an Medikamenten

Deshalb sind die Pharmazeuten stinksauer auf Lauterbach, dessen Hinweis tatsächlich nicht das ganze Bild zeichnet. Natürlich gibt es Apotheken, die gut dastehen, weil sie ein großes Ärztehaus um die Ecke haben und in der Fußgängerzone einer Großstadt liegen. Auf dem flachen Land sieht das jedoch ganz anders aus: Dort haben schon vielerorts Apotheken die Lichter ausgemacht. Berlin und die Branche müssten gemeinsam überlegen, wie die Versorgung in Dörfern und Kleinstädten verbessert werden kann.

Am meisten jedoch treibt die Apotheken um, was auch viele Patienten spüren: der Mangel an Medikamenten. Immerhin versucht Lauterbach, da nun umzusteuern. Doch die Regeln, die Apotheken beachten müssen, wenn sie ein fehlendes Medikament durch ein lieferbares austauschen wollen, sind arg kompliziert. Und warum will er nur bei Antibiotika mehr Produktion nach Europa zurückholen? Immerhin fehlen viele verschiedene Arzneimittel bis hin zu Medikamenten zur Therapie von Krebserkrankungen.

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