Porträt RHEINPFALZ Plus Artikel Anne Hidalgo: Die Gastgeberin der Spiele von Paris

Anne Hidalgo
Anne Hidalgo

Ihren großen Olympia-Moment hatte Anne Hidalgo bereits in der vergangenen Woche in einem Tauchanzug im Fluss ihrer Stadt. Strahlend posierte die Pariser Bürgermeisterin für die Kameras in der Seine, kraulte sogar ein paar Meter darin. „Alle behaupteten, dass es unmöglich ist, wir haben es gemacht“, rief sie triumphierend.

Bis zuletzt galt es als fraglich, ob es gelingen würde, die Wasserqualität derart zu verbessern, dass olympische Wettbewerbe in der Seine ausgetragen werden können. Und auch wenn Hidalgos persönlicher Verdienst dabei gering ist – sie zelebrierte ihn öffentlichkeitswirksam.

Als Stadtoberhaupt wird die 65-Jährige die Gastgeberin der Olympischen Spiele sein. Im Herbst hatte die Sozialistin noch schlechte Stimmung verbreitet, indem sie in den Medien warnte, in Sachen Transportmittel werde man nicht bereit sein. Denn der Bereich fällt in die Zuständigkeit der Hauptstadtregion, an deren Spitze ihre konservative Intimfeindin Valérie Pécresse steht. Einige Monate später änderte Hidalgo ihre Meinung und appelliert seitdem an die vielen skeptischen Stadtbewohner, mehr Enthusiasmus zu zeigen: „Das wird fantastisch, Paris wird ein Fest!“

Seit zehn Jahren ist Hidalgo im Amt. Zuvor war sie die rechte Hand ihres Vorgängers, des Sozialisten Bertrand Delanoë, und sie führt dessen ambitionierte Verkehrspolitik weiter. Mit Unterstützung ihrer links-grünen Mehrheit im Stadtrat ließ sie die Schnellstraßen an den Seine-Ufern für den Verkehr sperren und beschloss etliche Maßnahmen, um die Autos aus der Stadt zu drängen und so die Luftqualität zu verbessern.

Zwar wurde die in Spanien geborene Politikerin 2020 wiedergewählt, doch als beliebt gilt sie nicht. Zu stur, zu sehr Einzelkämpferin. Bei den Präsidentschaftswahlen 2022 fuhr sie für die sozialistische Partei das schlechteste Ergebnis aller Zeiten ein: 1,75 Prozent.

Doch Rückschläge können der zweifachen Mutter kaum etwas anhaben. Auch nicht die laufenden Vorermittlungen wegen des Verdachts des Missbrauchs öffentlicher Gelder nach einer Reise Hidalgos im vergangenen Herbst nach Tahiti. Offiziell sollte sie dort mit einer Delegation aus dem Rathaus die Anlagen für die olympischen Surf-Wettbewerbe besichtigen. Doch sie sagte den Haupttermin ab, nicht aber den privaten Teil der Reise, um ihre Tochter auf einer Nachbarinsel zu besuchen. Geschätzte Kosten für die Stadt: 60.000 Euro.

Doch dieser politische Ärger wird Hidalgo nicht davon abhalten, als stolze, durchaus mitreißende Gastgeberin dieser Spiele aufzutreten.

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