Politik Anklage gegen Rizin-Bomber erweitert

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«Karlsruhe/ Tunis.» Die Anschlagsplanungen des in Köln mit hochgiftigem Rizin gefassten Tunesiers waren konkreter und umfassender als bislang angenommen. Seif Allah H. habe „an einem geschlossenen und belebten Ort“ eine biologische Bombe zünden wollen, teilte die Bundesanwaltschaft gestern in Karlsruhe mit. Der im Juni in Köln-Chorweiler gefasste 29-jährige H. habe einen Sprengsatz mit einer mit Rizin präparierten Splitterladung zünden wollen, berichtete die Bundesanwaltschaft. Unklar war demnach aber weiter, ob er schon ein konkretes Anschlagsziel hatte. Die Grundentscheidung traf er demnach im Frühjahr dieses Jahres, ab April begann er online mit der Beschaffung von Rizinussamen. Angesichts der Erkenntnisse erweiterte der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs den Haftbefehl gegen H. um den dringenden Tatverdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Zudem umfasst der Haftbefehl nun auch den Vorwurf der versuchten Mitgliedschaft in der Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS). Demnach hatte der Tunesier über einen Messengerdienst Kontakt zu einem Unbekannten, demgegenüber er sich um eine „Aufnahme“ in den IS bemühte. Er hielt diesen demnach für ein IS-Mitglied und regte an, in der Propaganda-Abteilung der Terrorgruppe mitzuwirken. In Tunesien haben die Behörden zwei mutmaßliche Komplizen des 29-Jährigen festgenommen. Wie das Innenministerium in Tunis mitteilte, wurden sie am 26. Juli inhaftiert. Ein Beschuldigter verabredete sich demnach mit H., zeitgleich Bombenanschläge in Deutschland und Tunesien zu verüben. Der zweite Beschuldigte soll für H. einen gefälschten Pass vorbereitet haben, um diesem die Flucht in andere europäische Länder zu ermöglichen. Nach Angaben der deutschen Bundesanwaltschaft gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass außer H. und seiner als Helferin inhaftierten Ehefrau Yasmin H. weitere in Deutschland ansässige Menschen in die Anschlagsplanungen eingebunden waren. Allerdings soll der Tunesier Kontakte zu Unbekannten im Ausland unterhalten haben, die ihn unterstützten. Von ihnen soll er Informationen über die Produktion von Rizin und die Herstellung einer Sprengladung erhalten haben. Mit den Tipps eines dieser Unbekannten gelang ihm laut Bundesanwaltschaft die Herstellung von 84,3 Milligramm Rizin aus den von ihm im Internet bestellten mehr als 3100 Samen. Die Wirkung testete er an einem Zwerghamster, den er zuvor in Köln gekauft hatte.

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