Politik
Ankaras Außenpolitik: Viel Feind, viel Ehr

Die Türkei liegt im Dauerclinch mit ihren Nato-Partnern. Auch mit den Staaten des Nahen Ostens gibt es Konflikte. Und niemand ist da, der Erdogans Krawall-Kurs stoppen könnte.
Streit mit den NATO-Partnern um russische Raketen, Streit mit der EU wegen der Erdgas-Suche im Mittelmeer bei Zypern, Streit mit den USA wegen des Syrien-Konflikts: Immer stärker macht sich bemerkbar, dass die Türkei in der Außen- und Sicherheitspolitik ganz andere Interessen verfolgt als ihre westlichen Verbündeten. USA und Europa sind nicht ganz unschuldig daran. Sie haben in den vergangenen Jahren legitime Interessen der Türkei etwa in Syrien oder bei der Suche nach einem Raketenabwehrsystem ignoriert und wundern sich jetzt, dass Ankara einen anderen Partner gefunden hat: Russland.
Im türkischen Präsidialsystem fehlen die nötigen Kontrollinstanzen
Auch im Nahen Osten hat die Türkei viele Probleme. Das Land liegt mit Syrien, Israel und Ägypten im Clinch, die Beziehungen zu Saudi-Arabien, Irak und Iran sind ebenfalls schwierig. Dem türkischen Präsidialsystem fehlen Kontrollinstanzen, die Erdogans Krawall-Kurs stoppen könnten. Eine Überschätzung der eigenen Möglichkeiten und mangelnde Voraussicht sind die Folgen.
Für Europa und die USA lautet die Frage nicht mehr, ob das Risiko besteht, dass die Türkei für den Westen verloren geht. Dieser Prozess ist längst im Gange. Es geht darum, Wege zur Zusammenarbeit zu finden, wenn bilaterale oder regionale Probleme das erfordern. Das europäisch-türkische Flüchtlingsabkommen hat gezeigt, dass dies möglich ist. Die Zeiten, in denen die Türkei automatisch in Übereinstimmung mit dem Westen handelte, sind aber vorbei.