Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Amerikas beschädigte Demokratie

Ein aufrechter Republikaner: Brad Raffensperger, Innenminister von Georgia, hat sich von Donald Trumps Tiraden nicht ins Bocksho
Ein aufrechter Republikaner: Brad Raffensperger, Innenminister von Georgia, hat sich von Donald Trumps Tiraden nicht ins Bockshorn jagen lassen.

Wieder einmal hat der US-Präsident am Telefon gemobbt. Dass Parteigänger dennoch zu ihm halten, spricht Bände über den Niedergang der US-Politik.

Donald Trump verhält sich nicht zum ersten Mal wie einer jener von ihm so bewunderten Diktatoren, die sich ungeniert ihrer Macht bedienen, um anderen ihren Willen aufzuzwingen. Aber Trump hätte wissen müssen, dass er bei Georgias Innenminister Brad Raffensperger an der falschen Adresse war. Dieser ist ein Konservativer, der sich der Demokratie verpflichtet fühlt, nicht den Gesetzen jener Sekte, zu der Teile der Republikanischen Partei in ihrem Kult um Trump verkommen sind.

Warum der Tatsachenverdreher im Weißen Haus dennoch Raffensperger vor seinen Karren zu spannen versuchte, gibt Rätsel auf. Vielleicht glaubt Trump ja wirklich, was ihm Anhänger abstruser Verschwörungstheorien einflüstern, ohne dass er Stimmen der Vernunft an sich heranließe. Vielleicht verbringt er die letzten Wochen seiner Präsidentschaft tatsächlich in einer mentalen Festung, zu der nur noch Zugang hat, wer ihn in seinen Ansichten bekräftigt.

Der Wahrheit zum Trotz

Bleibt abzuwarten, wie viele Republikaner ihm die Stange halten, wenn der US-Kongress am Mittwoch das Wahlergebnis zu bestätigen hat. Das ist eigentlich eine zeremonielle Formalie. Alle Ergebnisse sind bekannt und amtlich bestätigt. Trumps wirre Betrugsvorwürfe sind im Dutzend vor Gericht verworfen worden. Und trotzdem haben einige von Trumps Vasallen bereits angekündigt, eine Stunde des Widerstands zu zelebrieren. Im Praktischen dürfte sie folgenlos bleiben. Über das Demokratie-Verständnis der Trump-Loyalisten spräche sie allerdings Bände.

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