Air Base Ramstein
Afghanen auf US-Stützpunkt: Abflug binnen zwei Wochen
„Wir erwarten, dass die Weiterflüge im Laufe der kommenden zwei Wochen wiederaufgenommen werden“, sagte Lieutenant Colonel Will Powell, Sprecher des 86. Luftransportgeschwaders der US Air Force, am Mittwoch. Wann genau es weitergehe, werde immer noch geprüft und zwischen den USA und der Bundesrepublik koordiniert.
Das Weiße Haus hatte am 10. September bekannt gegeben, dass die US-Regierung die Weiterflüge für Evakuierte aus Kabul vorerst ausgesetzt habe. Hintergrund seien vier Masernfälle, die bei afghanischen Flüchtlingen in den USA aufgetaucht seien. Die US-Gesundheitsbehörde CDC habe empfohlen, aus Vorsicht vor möglichen Infektionsgefahren alle im Ausland verbliebenen Evakuierten nochmals zu überprüfen und auch gegen Krankheiten wie die Masern zu impfen.
Impfung auch gegen Covid-19
Lieutenant Colonel Will Powell betonte gegenüber der RHEINPFALZ: „Die Gesundheit und die Sicherheit der Evakuierten ist unsere höchste Priorität.“ Die Air Base sei bereit, die Flüge wiederaufzunehmen, „sobald dies von der CDC und dem Außenministerium für sicher erachtet wird“. Auf der Air Base Ramstein war lediglich ein Fall von Masern aufgetaucht, die Person wurde isoliert. Binnen drei Tagen wurden 8800 Afghanen gegen die Infektionskrankheit geimpft.
Alle auf der Air Base Ramstein eingetroffenen Flüchtlinge wurden auch auf Corona getestet. Am 26. September habe es zudem Impfungen gegen Covid-19 für alle Evakuierten gegeben, die dies gewollt hätten. Geimpft wurde durch das medizinische Personal der Air Base in Ramstein und der US-Armee in den Rhine Ordnance Barracks in Kaiserslautern. Powell wörtlich: „Eine überwältigende Mehrheit der Evakuierten ist nun (gegen Corona) geimpft.“
Mehr als 20.000 weitergereist
Nach der Machtergreifung der Taliban Mitte August hatte die US-Luftwaffe rund 124.000 Personen über den Kabuler Flughafen aus Afghanistan gerettet. 222 C-17-Transportmaschinen, die gesamte verfügbare Flotte, wurde dabei neben kommerziellen Flugzeugen eingesetzt. Die Air Base in Ramstein diente als Zwischenlandepunkt. Am 21. August kamen die ersten Afghanen über Katar nach Ramstein.
Die meisten nach Ramstein gelangten Afghanen – mehr als 20.000 – wurden binnen drei Tagen wieder ausgeflogen, bis die Luftbrücke am 10. September gestoppt wurde.
Der Großteil dieser in die USA weitergereisten Flüchtlinge lebt auf US-Militärbasen in Wisconsin, Texas, New Jersey, Indiana, Virginia und New Mexico. Die verbliebenen Aufnahmekapazitäten dort sind beschränkt. Vier der acht Basen sind zu mehr als 90 Prozent voll. Bei den übrigen ist ebenfalls deutlich mehr als die Hälfte der Plätze bereits belegt.
Auf die Frage der RHEINPFALZ, ob fehlende Kapazitäten auch ein Grund für die verzögerte Weiterreise aus Ramstein seien, sagte Andy Halus, ein Sprecher des US-Außenamts, am Mittwoch: „Dieses Unterfangen ist ohne Gleichen, und wir müssen fortlaufend in Echtzeit Entscheidungen treffen, um die Sicherheit und Gesundheit der Menschen zu gewährleisten.“ Die Unterbringung durch das Verteidigungsministerium sei eine Übergangslösung, bevor Flüchtlingseinrichtungen den Afghanen beim Beginn ihres neuen Lebens helfen würden. Die deutschen Behörden würden weiterhin fortlaufend konsultiert, betonte Halus: auf Bundes-, Landes- und lokaler Ebene.