Nahost-Konflikt RHEINPFALZ Plus Artikel Abkommen mit Iran – aber Putin wartet ab

Der russische Präsident Wladimir Putin.
Der russische Präsident Wladimir Putin.

Russische Medien stehen bei dessen Gefechten gegen Israel auf der Seite Irans. Reale Militärhilfe aber dürfen die Iraner kaum vom nominellen russischen Verbündeten erwarten.

Russlands Propaganda schießt sich ein. „Die Eiserne Kuppel Israels hat sich in ein durchlöchertes Gitter verwandelt“, titelt das staatliche Massenblatt Komsomolskaja Prawda. „Die Hälfte des israelischen Staates wurde zu Staub zerrieben“ – das rechtsnationalistische Portal Zargrad feiert schon den infernalen Untergang des Angreifers.

Vier Tage nach dem israelischen Überraschungsschlag gegen Atomobjekte und militärische Führer des Irans haben sich auch kremlnahe Medien und Militärblogger von ihrem Schock erholt. Zu Beginn staunte man noch über die Tolldreistheit und Präzision der israelischen Raketen- und Drohnenangriffe. Und zerbrach sich laut den Kopf, ob man nicht die eigene „Spezialkriegsoperation“ gegen die Ukraine auf ähnliche Weise hätte veranstalten können. Aber inzwischen feuert man ganze Salven von mehr oder weniger falschen Nachrichten ab, um das Narrativ des Irans vom siegreichen Gegenschlag zu stützen.

Putin hält sich zurück

So laut Moskaus mediale Unterstützung für den Iran allerdings dröhnt, so schwach wirkt seine Waffenhilfe. Das Parlament in Teheran ratifizierte am Sonntag eilig einen im Januar abgeschlossenen iranisch-russischen Partnerschaftsvertrag. Aber das ist für Moskaus Politiker nur Anlass, darauf zu verweisen, dass dieser Vertrag keine Verpflichtungen für Russlands Streitkräfte enthält, einzugreifen. „Wir versuchen überhaupt, an solchen Konflikten nicht teilzunehmen“, sagte Senator Andrej Klimow am Montag dem Portal lenta.ru. Oder wie es der Exilpolitologe Alexander Morosow gegenüber dem YouTube-Kanal Breakfast Show formulierte: „Putin wartet ab.“

Russland bezieht seit Herbst 2022 vom Iran Shahed-Drohnen, die es sofort massiv gegen ukrainische Städte einsetzte und inzwischen selbst in Lizenz nachbaut. Der Iran dürfte vergeblich auf vergleichbare Lieferungen hoffen. Der Duma-Abgeordnete Alexej Schurawlew erklärte bei gazeta.ru, man stelle dem Iran bereits modernste Luftabwehrsysteme zur Verfügung. „Die sind nun viel notwendiger als der Einsatz unserer Soldaten.“

Weniger Rüstungsexporte

Allerdings ist unklar, ob diese Systeme schon im Iran stehen oder noch geschickt werden sollen. Laut dem Portal Iran International hatte Daud Scheichian, ein am Freitag gefallener General, im November erklärt, man habe bei Russland keine S-400-Luftabwehrsysteme bestellt; vergleichbare eigene Waffen besäßen deutlich höhere Kapazitäten. Man setze aber ältere russische S-300 ein. Das mag auch daran liegen, dass Russland angesichts sich häufender ukrainischer Drohnenangriffe seine neu produzierte Abwehrtechnik selbst benötigt. Insgesamt fielen laut dem Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri Russlands Rüstungsexporte von 2022 bis 2024 um 52 Prozent.

x