Politik Überfälle auf Roma: Hintergrund der Tat noch unklar

Rechtsradikale in der Westukraine haben ein Roma-Lager überfallen und dabei einen Menschen ermordet. Ukrainische Politiker wie Innenminister Awakow suchen die Verantwortlichen in Russland.
Am Freitag hatten Jugendliche am Stadtrand Lembergs eine Roma-Familie überfallen. Sie töteten einen 24-Jährigen mit 15 Messerstichen, verletzten vier weitere Menschen schwer, darunter einen zehnjährigen Jungen und seine Mutter, die ihr Kind mit ihrem Körper vor den Messerhieben zu beschützen versuchte. Nach Angaben der Polizei machte man 14 Tatverdächtige dingfest, zum Großteil minderjährige Schüler. „Es hat auch schon vorher mehrere Pogrome gegen Roma gegeben, bei denen die Schuldigen ohne ernsthafte Strafen davongekommen sind“, sagt Irina Bekeschkina, Leiterin der Stiftung „Demokratische Initiative“. Allein in den vergangenen drei Monaten wurden im Raum Kiew drei Lager von Nationalisten gestürmt – allerdings ohne Todesopfer. Einigen Medienberichten zufolge soll eine Gruppe namens „Nüchterne böse Jugend“ hinter den Überfällen stecken. Diesen Namen tragen sowohl ukrainische als auch russische Rechtsradikale, die im Internet ihre Hetze verbreiten. Die Lemberger Messerstecher werden aber auch mit der ukrainischen „Misanthropischen Division“ in Verbindung gebracht. Diese soll im Jahr 2013 von rechtsradikalen Charkiwer Fußballfans gegründet worden sein. Viele ihrer Mitglieder traten zu Beginn des Krieges in der Ostukraine 2014 in das nationalistische Freiwilligen-Bataillon Asow ein. Bisher kann niemand sagen, wer recht hat. Die Vernehmungen der Tatverdächtigen dauern an.