Rheinland-Pfalz
Urlauber willkommen: Tourismusbranche hofft auf gute Sommersaison
Auch wenn es massive Umsatzeinbußen gab und die Branche durch Corona sehr stark in Mitleidenschaft gezogen worden ist, ist viel unternommen worden – vor allem bei der Digitalisierung –, um nun richtig durchstarten zu können. Das heißt, die Lockerungen sind da, der Sommer eigentlich auch und in Nordrhein-Westfalen haben schon die Schulferien begonnen. Der Startschuss in den touristischen Sommer ist also längst gefallen. Und er bringt neue Gäste mit sich.
„Wir merken, dass Urlaub in Deutschland gefragt ist“, erklärte der Geschäftsführer der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH (Koblenz). Der Sommer sei frühzeitig beworben worden, sagte Stefan Zindler. Digitale Werbung wie auch Print-Anzeigen führten immer zur Homepage www.rlp-tourismus.de, über die Interessierte an die entsprechenden Partner weitergeleitet werden.
Land in den Niederlanden beliebt
Der Radius vom Urlaubsland Rheinland-Pfalz ist groß. Die Bundesländer, die im Fokus liegen, sind Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg und das Saarland. Und international erfreut das Land sich laut Zindler großer Beliebtheit bei den Nachbarn: allen voran den Niederlanden, Belgien, Frankreich und auch der Schweiz und Österreich.
Wo her auch immer die Besucher kommen. sie sind gerngesehen. „Wir sind mit Sicherheit die besten Gastgeber und haben die Solidarität der Rheinland-Pfälzer verdient!“, hatte der Präsident des Dehoga-Landesverbands Gereon Haumann schon Ende Juni erklärt. Der Deutsche Hotel- und Gaststättengewerbeverband trommelt für seine Mitglieder. Und er fordert angesichts des anlaufenden Sommergeschäfts von der Politik auf Schließungen im Gastgewerbe zukünftig zu verzichten. Es gebe Konzepte, dauerhafte Öffnungen zu ermöglichen.
„Betriebe extrem gelitten“
Die Übernachtungszahlen vom Jahresbeginn zeigen, dass es massive Einbußen gegeben hat, wie Detlev Janik sagte. Der Geschäftsführer der Pfalz Touristik (Neustadt) bekannte, dass die Betriebe extrem gelitten haben. Und so erklärt sich auch, dass es nun einen Mangel an Fachkräften gibt. Allerdings nicht für alle. Das Hotel Schloss Edesheim, um ein Beispiel zu nennen, sucht zwar per Anzeige neue Mitarbeiter. Aber dramatisch sei die Lage in seinem Haus nicht, erklärte auf Anfrage Andreas Lorenz. „Wir sind in der glücklichen Situation, dass unser Personal zu 95 Prozent an Bord geblieben ist“, sagte der Hoteldirektor. Er wisse aber von anderen Häusern der Privathotels Dr. Lohbeck im Bundesgebiet, dass es dort vereinzelt anders aussieht. In Edesheim ist die Auslastung laut Lorenz „für die nächsten Monate sehr, sehr gut“.
Ein neuer Trend heißt „Bleisure“
Rückenwind wird dem Tourismus eine 50-Millionen-Euro-Spritze des Landes geben. Neue Ideen sind längst geboren. Andere Bundesländer hätten sich beispielsweise erkundigt nach dem neuen Convention-Büro, wie Philipp Meier vom Mainzer Citymarketing berichtete. Es ist eine gemeinsame Anlaufstelle der sechs größten Städte im Land. Ziel ist es, Rheinland-Pfalz als Tagungs- und Kongress-Standort zu stärken. Ein Trend aus Amerika, der im Land auch möglich ist: Bleisure, also die Kombination aus Business und Leisure, auf Deutsch Geschäft und Freizeit.
Es könnte Aufbruchstimmung herrschen, wäre da nicht das Personalproblem. Um ihm zu begegnen sei aber eine Reihe von Kampagnen angelaufen, erklärte Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt.
Stellplätze beim Winzer
In der Pfalz besonders gefragt sind Privatunterkünfte, wie auch Camping und private Stellplätze bei Winzern beispielsweise. „Im Hotelbereich ist die Nachfrage noch verhaltener“, sagte Janik, der einen Boom vom vergangenen Jahr bestätigt sieht. Es kommen viele Radfahrer: „Die Gäste drängt es in die Natur.“ Von den Betrieben in der Pfalz hat er die Rückmeldung erhalten, dass darunter auch viele Urlauber sind, die die Pfalz für sich ganz neu entdecken. Bleibt zu hoffen, dass das Gastgewerbe seine punktuellen personellen Engpässe so gut in den Griff bekommt, dass sie auch in Zukunft wiederkommen werden.
Info
Das Statistische Landesamt meldet für den Mai ersten vorläufigen Berechnungen zufolge in Rheinland-Pfalz 204.000 Gäste. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Minus von 19 Prozent und im Vergleich zu 2019 einem Minus von 70 Prozent. Nach Einschätzungen des Landesamtes hat die Branche im ersten Quartal hohe Einbußen hinnehmen müssen. Zur Einordnung: In den Spitzenjahren 2016 und 2018 hat Rheinland-Pfalz sich über 3,33 Millionen Übernachtungen und im besten Jahr 2018 über 1,36 Millionen Besucher freuen dürfen. Im vergangenen Jahr waren es nur 2,74 Millionen Übernachtungen, das war seit 2012 das schlechteste Jahr.
