Rheinland-Pfalz
Stimmt das: Mehr Neuinfektionen nur deshalb, weil mehr getestet wird?
Bei der Anzahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen hatte zuletzt der Kreis Germersheim landesweit stets den höchsten Wert. Diese sogenannte 7-Tage-Inzidenz – in der RHEINPFALZ-Tabelle 7-Tage-Rate genannt – lag am Dienstag im Kreis Germersheim bei 33 Fällen. Eine von Bund und Ländern vereinbarte Schwelle, ab der es zu mehr Beschränkungen des öffentlichen Lebens kommen soll, liegt bei einer 7-Tage-Inzidenz von 50. Manche Bundesländer haben eine Corona-Vorwarnstufe von 35 Fällen. An dieser Schwelle schrammte der Kreis Germersheim nur knapp vorbei.
Testzentren für Reiserückkehrer stark beschäftigt
Anfang August hatte die Anzahl der täglichen Neuinfektionen in Rheinland-Pfalz bei durchschnittlich neun Fällen gelegen, vergangene Woche stieg der Wert dann zeitweise auf über 100 Fälle pro Tag. Was sind die Gründe für diesen Anstieg? Liegt dies nur daran, dass inzwischen deutlich mehr getestet wird als zu Beginn der Pandemie? Allein an den vier am Anfang August eingerichteten speziellen Testzentren für Reiserückkehrer in Landau, Bitburg, Trier und am Flughafen Hahn wurden inzwischen mehr als 21.500 Tests durchgeführt.
Verhältnis zwischen Tests und Infektionen
Um die Zahlen einordnen zu können, muss man aber die Testkapazitäten mit der Anzahl der Neuinfektionen ins Verhältnis setzen. Als Wert dient dazu die Positivenrate: Sie gibt an, wie viel Prozent der Getesteten sich tatsächlich mit Corona infiziert haben. Steigt die Positivenquote ist dies ein Alarm- und Warnzeichen, denn dies zeigt, dass die Dynamik des Infektionsgeschehen tatsächlich zunimmt.
In der 28. Kalenderwoche – in Rheinland-Pfalz war dies die erste Ferienwoche – wurden bundesweit 510.103 Tests durchgeführt: In 2990 Fällen war das Ergebnis positiv, was einer Positivenrate von 0,59 Prozent entspricht. Dieser Wert stieg dann in den kommenden Wochen leicht an. In der 32. Kalenderwoche – dies war die erste Augustwoche – lag die Quote dann bei 1,0. In dieser Woche gab es bundesweit 733.608 Tests, davon 7318 mit einem positiven Ergebnis.
Die Anzahl der Tests lag demnach in der Kalenderwoche 32 um 44 Prozent höher als in der Kalenderwoche 28. Die Anzahl der positiven Tests ist im selben Zeitraum aber um 145 Prozent gestiegen. Das heißt: der Anstieg der positiven Tests lässt sich nur zum Teil durch die gestiegene Anzahl der Tests erklären. Das zeigt sich auch am Anstieg der Positivenrate.
In den zurückliegenden zwei Wochen hat sich diese Entwicklung jedoch wieder etwas beruhigt, die Positivenrate blieb stabil beziehungsweise sank zuletzt auf 0,88. Zum Vergleich: der bisherige Höchststand der Positivenquote wurde Ende März mit 9,0 Prozent verzeichnet.
36 Infizierte im Krankenhaus
Die Corona-Testkapazitäten in Rheinland-Pfalz sind alles andere als ausgelastet. Laut Mainzer Gesundheitsministerium liegt die tägliche Kapazität bei rund 10.000 Tests in den Labors. Untersucht werden demnach jeden Tag lediglich rund 3000 Proben. Bedingt durch mehr Testungen von Reiserückkehrern ist die Anzahl der Untersuchungen bereits annähernd verdoppelt worden. Von Anfang April bis zur Sommerpause betrug die Anzahl der täglichen Corona-Proben 1500 bis 2000. Rheinland-Pfalz lässt nur anlassbezogen Menschen auf das Virus untersuchen. Lediglich in den Schulen und Kindergärten laufen stichprobenartig Tests an symptomfreien Lehrern und Kindern, um das Infektionsgeschehen abschätzen zu können.
Von den aktuell 1019 an Covid-19 erkrankten Personen in Rheinland-Pfalz sind nach Auskunft des Gesundheitsministeriums 36 im Krankenhaus, davon liegen acht auf einer Intensivstation, sechs Menschen sind so schwer erkrankt, dass sie künstlich beatmet werden müssen.
519 Asylbewerber in Quarantäne
Nach insgesamt drei Corona-Fällen ist die Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) in Hermeskeil (Kreis Trier-Saarburg) komplett unter Quarantäne gestellt worden. Für die derzeit dort untergebrachten 519 Bewohner gelte nun ein generelles Ausgehverbot, teilte die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier am Donnerstag mit. Es handelt sich um die ersten Corona-Fälle in einer AfA des Landes.
Wo in der Pfalz die höchsten Corona-Bußgelder verhängt wurden, steht hier.