Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Es geht aufwärts am Flughafen Hahn

Urlaubsflieger starten weiterhin vom Flughafen Hahn. Im zweiten Anlauf ist dem Insolvenzverwalter der Verkauf gelungen.
Urlaubsflieger starten weiterhin vom Flughafen Hahn. Im zweiten Anlauf ist dem Insolvenzverwalter der Verkauf gelungen.

Mit der Triwo AG aus Trier als neuer Eigentümerin ist der Weiterbetrieb des Flughafens Hahn gesichert. Vor eineinhalb Jahren startete das Insolvenzverfahren, Verwalter Jan Markus Plathner ist es gelungen, den Flughafen aus der Verlustzone zu holen. Was dem Betriebsratsvorsitzender Thomas Dillmann Hoffnung macht.

Die Triwo AG aus Trier habe den höchsten Kaufpreis für den insolventen Flughafen Hahn geboten. Einstimmig wurde ihr von den Gläubigern der Zuschlag erteilt. Mit dieser Nachricht hat Insolvenzverwalter Jan Markus Plathner am Dienstag den Neuanfang für den ehemaligen Militärflughafen ausgerufen. Über die Höhe des Kaufpreises machte er keine Angaben. Ein früheres Höchstgebot soll bei 20 Millionen Euro gelegen haben.

Die Triwo AG mit Peter Adrian als Vorstandsvorsitzendem ist keine Unbekannte in der Pfalz. 2014 kaufte sie den damals ebenfalls insolventen Flughafen Zweibrücken. Schon damals hieß der Verwalter Jan Markus Plathner. Der Insolvenz in der Südwestpfalz war eine politische Entscheidung in Brüssel vorausgegangen, wonach unberechtigte Subventionen in Millionenhöhe zurückgezahlt werden sollten.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Am Flughafen Hahn ging der Pleite im Jahr 2021 Misswirtschaft voraus, zuletzt durch die chinesische HNA-Gruppe, die 2017 dem Land Rheinland-Pfalz den Mehrheitsanteil von 82,5 Prozent am Flughafen abgekauft hatte. Die Staatsanwaltschaft Koblenz ermittelt außerdem wegen des Verdachts der bandenmäßigen Untreue.

In Zweibrücken führte Adrian den kommerziellen Flugbetrieb nicht weiter. Wirtschaftlich entwickelten sich der Triwo-Gewerbepark und der Testbetrieb mit Autoteilen positiv. Am Flughafen Hahn will Adrian gezielt in die Flughafeninfrastruktur investieren. Er schätze die Zukunftschancen als gut ein, sagte er am Dienstag. Er wolle weiteres Wachstum im Passagier- und Frachtverkehr erreichen und eine nachhaltige Immobilienentwicklung umsetzen. Im vergangen Jahr hoben 1,4 Millionen Passagiere vom Flughafen Hahn ab.

Möglicher Geschäftsführer Franke ist auch in der Pfalz bekannt

Triwo werde alle 400 Beschäftigten übernehmen. Geschäftsführer wird dem Vernehmen nach der vom Insolvenzverwalter eingesetzte Generalbevollmächtigte Rüdiger Franke. Auch er ist in der Pfalz bekannt. Etwa zweieinhalb Jahre führte er zusammen mit Werner Boßlet den Flughafen Zweibrücken. Der 58-Jährige sagte Anfang März auf RHEINPFALZ-Anfrage, er sehe die Hauptunterschiede zwischen dem damaligen Flughafen in Zweibrücken und dem Hahn in der Größe. Das Passagier- und Frachtaufkommen im Hunsrück sei deutlich höher. Außerdem sei der Flugbetrieb an allen Wochentagen 24 Stunden möglich und der Leistungsumfang sei größer. Neben den klassischen Leistungen gebe es eine eigene Security-Gesellschaft und den Tanklagerbetrieb.

Der Betriebsratsvorsitzende Thomas Dillmann reagierte vorsichtig positiv auf den Verkauf: Peter Adrian führe seine Unternehmen vernünftig. „Wir sehen es als Chance.“ Allerdings sei die Belegschaft einiges gewohnt und deshalb nicht zu euphorisch. Für den Betriebsrat und die Gewerkschaften gehe es jetzt darum, den Übergang zu gestalten und darauf zu achten, dass dabei die Tarifverträge eingehalten werden.

Nie ein konkretes Angebot der türkischen Interessenten

Bereits im vergangenen Jahr hatte Plathner den Verkauf des Flughafens vermeldet. Den Zuschlag erhielt damals das Konsortium Swift Conjoy, das aber nie den Kaufpreis zahlte. Weitere Bieter mussten vorab die gebotene Summe auf ein Anderkonto überweisen. Dazu gehörte die Eigentümergesellschaft des Nürburgrings, die NR Holding um den russischen Pharmaunternehmer Viktor Charitonin. Angesichts des Angriffskrieges Russlands auf die Ukraine sollte der Verkauf an ihn vom Bundeswirtschaftsministerium überprüft werden. Das Mainzer Immobilienunternehmen Richter gehörte ebenfalls zu den Bietern. Der türkische Flughafenbetreiber YDA ließ sein Interesse verlauten, nach RHEINPFALZ-Informationen ist aber nie ein konkretes Angebot bei Plathner eingegangen.

Das Land Hessen, das 17,5 Prozent der Anteile am Flughafen Hahn hält, reagierte positiv auf den Verkauf. Die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) sagte über Peter Adrian, er genieße als Vorstandsvorsitzender der Triwo AG und als Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) hohes Ansehen in Wirtschaft und Politik. Außerdem habe das Unternehmen hohe Expertise beim Betrieb und der Entwicklung von Flugplätzen und Flughäfen.

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